Der Swiss Market Index (SMI) konnte vergangene Woche zumindest einen Teil der zuvor erlittenen Verluste wettmachen. Komfortable 300 Punkte trennen ihn mittlerweile vom Jahrestiefst vom vorderen Freitag bei 8664 Zählern.

Die gute Nachricht zuerst: Viele Markttechniker rechnen für die nächsten Tage mit einer Fortsetzung dieser Erholung. Die schlechte Nachricht: Der Glaube an neue SMI-Rekorde fehlt.

UBS pessimistischer für den SMI als die Credit Suisse

Das gilt insbesondere für den Experten von Kepler Cheuvreux. Er hatte vor vier Wochen rechtzeitig vor einer Korrektur gewarnt.

Seines Erachtens ist diese Korrektur beim SMI noch nicht abgeschlossen. Solange das Börsenbarometer das untere Ende des Aufwärtstrends bei 8600 Punkten nicht verletzt, hält er zwar einen Vorstoss in die Region von 9135 bis 9250 Zählern für möglich. Dort waren im Zuge des Rückschlags zwei Kurslücken, im angelsächsischen Sprachgebrauch auch "Gaps" genannt, entstanden. Sind diese beiden Kurslücken erst einmal geschlossen, könne jedoch noch einmal eine grössere Abwärtsbewegung einsetzen, so heisst es. Das deckt sich eins-zu-eins mit den Prognosen der UBS.

Der SMI weist zwei Kurslücken auf, hier mit den gleitenden Durchschnitten auf 50 und 200 Tage (Quelle: www.cash.ch)

Ähnlich liest sich der aktuellste Markttechnikkommentar der Credit Suisse. Darin trauen die beiden Autoren dem SMI eine Erholung bis an die gleitenden Durchschnitte auf 50 und 200 Tage zu. Diese verlaufen zwischen 9140 und 9325 Punkten. Ab dann sehen die Experten das Börsenbarometer bestenfalls seitwärts tendieren.

Wichtige Unterstützungsmarken machen sie bei 8750, 8520 und danach erst wieder bei 8370 Punkten aus. Mit Blick gegen oben verlaufen die nächsten Widerstandsmarken bei 9080 und 9200 Punkten.

Der früher ebenfalls für die Credit Suisse tätige und heute als unabhängiger Markttechniker tätige Rolf Bertschi gibt sich sogar noch vorsichtiger. Wie sein Berufskollege von Kepler Cheuvreux hatte auch er frühzeitig vor einer Korrektur gewarnt.

Bertschi zufolge könnte ein Bruch der beiden Schlüsselunterstützungen bei 8750 und 8500 Punkten einen weiteren Rückschlag in die Nähe von 8000 Zählern lostreten. Der mittelfristige Trend zeige beim SMI nach unten, ebenso wie der längerfristige Trend, so lautet seine Schlussfolgerung.

Angeschlagene SMI-Schwergewichte

Auch die Experten von Julius Bär finden keine guten Worte für den SMI. In der aktuellsten Ausgabe der "Technical Investment Strategy" trauen sie dem Börsenbarometer zwar eine kurze Gegenbewegung zu, lassen aber keine Zweifel offen, dass die Ausgangslage zuletzt Schaden genommen hat.

Erst letzte Woche traten die beiden Markttechniker eine Kontroverse los, als sie den SMI-Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis einen "langsamen Tod" vorhersagten und der Kundschaft zu Umschichtungen in US-Technologieaktien rieten (cash berichtete).

Aktie von Nestlé (rot) im 12-Monats-Vergleich mit jener von Novartis (grün) und dem Genussschein von Roche (violett) (Quelle: www.cash.ch)

Wie in der "Technical Investment Strategy" weiter nachzulesen ist, muss sich der SMI unbedingt noch vor Ende Juni wieder über der Schlüsselmarke von 9050 Punkten einpendeln. Ansonsten erfährt die Ausgangslage eine weitere, grundlegende Verschlechterung.

Ohne die tatkräftige Mithilfe der Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis dürfte es dem SMI sowieso schwer fallen, ans Rekordhoch von Ende Januar bei 9616 Punkten anzuknüpfen.

Lorenz Burkhalter Redakor Ringier
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