Martin Blessing, der Prügelknabe

Der neue UBS Schweiz Chef Martin Blessing war als Commerzbank-CEO immer mal wieder in den Schlagzeilen. Dabei ist der 52-jährige Deutsche auch von schwerer Kritik nicht verschont geblieben.
12.05.2016 14:58
Von Pascal Züger
Martin Blessing, neues Konzernleitungsmitglied der UBS.
Martin Blessing, neues Konzernleitungsmitglied der UBS.
Bild: Bloomberg

Gestern verkündete die UBS einen überraschenden Personalwechsel: Martin Blessing, ehemaliger Chef der deutschen Commerzbank, wird ab September neuer Leiter UBS Schweiz und ersetzt damit von Lukas Gähwiler, der die Funktion sechs Jahre lang inne hatte.

Blessing war bis Ende April dieses Jahres Commerzbank-Chef in Frankfurt. Er hatte im November überraschend mitgeteilt, dass er seinen Vertrag trotz eines Angebots von Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller nach acht Jahren im Amt nicht verlängern wolle. Während seiner 15 Jahre in der Geschäftsleitung des deutschen Geldhauses, davon die Hälfte der Zeit als CEO, hat Blessing in den Augen vieler Marktbeobachter das Kreditinstitut entscheidend geprägt. Dabei musste er auch viel Prügel einstecken, wie eine kleine Presseschau aufzeigt:

FAZ (17. Mai 2009): "Martin Blessing ist ein netter Kerl. Nur so ist zu erklären, dass der Chef der Commerzbank bislang nicht stärker in der Kritik steht. Denn die Entwicklung des Finanzkonzerns ist bislang ein Desaster."

2009 - als es der Commerzbank sehr schlecht ging - sprach die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) von einem wenig überzeugenden Blessing, welcher selbst wenig von dem überzeugt sei, was er vortrage.

Richard Mayer, Aktionär (23.05.2012): "Seit 2008 haben Sie ihren gesunden Menschenverstand ausgeschaltet. Sie sind Totalversager, die grössten Kapitalvernichter in der deutschen Wirtschaftsgeschichte!"

Diese Kritik an der Commerzbank-Generalversammlung 2012 galt Blessing und seinem Vorgänger Klaus-Peter-Müller, welcher nun Verwaltungsratspräsident ist. Für Unmut bei den Aktionären sorgte der tiefe Aktienkurs, die ausbleibende Dividende und der gleichzeitig hohe Lohn Blessings.

The Economist (27. Juni 2013): "Wenn eine einzelne Bank so oft Pech hatte, stellt sich unweigerlich die Frage, wie viel durch Fahrlässigkeit - und nicht durch Zufall - herbeigerufen wurde."

Die britische Zeitschrift Economist stellte 2013 der Commerzbank einen langen und steinigen Weg in Aussicht, um wieder zu gesunden. Die Zeitschrift betont zwar, dass eine unglückliche Verkettung von Euro-Krise und Griechenland-Verschuldung der Commerzbank zusetzte, sieht aber die Probleme zu einem gewissen Grade auch als hausgemacht an - und kritisiert damit auch Martin Blessing.

WirtschaftsWoche (19. April 2016): "Blessing kann für sich nicht in Anspruch nehmen, ein erfolgreicher Chef gewesen zu sein." 

Das deutsche Wirtschaftsmagazin blickt auf das Schaffen Blessings bei der Commerzbank zurück. Die Bilanz fällt sehr durchzogen aus. Kritisiert wird unter anderem, dass unter seiner Ägide die Commerzbank-Aktie rund 90 Prozent an Wert verlor und sich die durch ihn eingefädelte Übernahme der Dresdner Bank im Mai 2008 als Flop erwies. Kurze seit später geriet die Bank - im Umfeld der Finanzkrise und der Pleite der Lehman Brothers - in Schieflage, musste von der deutschen Regierung mit 18 Milliarden Euro gerettet werden. Zugute gehalten wird ihm, dass er das kriselnde Privatkundengeschäft neu ausrichtete und dort zuletzt deutliche Gewinne erzielen konnte.

Handelsblatt (20. April 2016): "In den vergangenen Jahren war Blessing auf den Hauptversammlungen regelmässig beschimpft worden - am Mittwoch gab es dagegen verhaltenes Lob."

Das deutsche Handelsblatt wertet den "halbherzigen Applaus" für Blessing an seiner letzten Commerzbank-GV als Erfolg. Er war unter den Aktionären nicht sehr beliebt.

BR24 (2. Mai 2016): "Dubiose Geschäfte mit staatlicher Alimentierung."

Das Online-Portal des Bayrischen Rundfunkes (BR) stellt die Machenschaften der Commerbank unter Martin Blessing an den Pranger. Der Staat sei durch sogenannte Cum-Cum-Geschäfte um Steuereinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe betrogen worden, ausserdem tauchte die Commerzbank auch in den Enthüllungen der Panama Papers auf. Durch den Abgang sei Blessing nun "fein raus", fügte BR24 lakonisch an.

Reuters (11. Mai 2016): "Mit dem Schweizer Bankenmarkt hat Blessing kaum Erfahrung."

Auch als neuer UBS-Mann muss Blessing weiter mit kritischen Berichten umgehen können. Reuters betont die mangelnde Schweiz-Erfahrung des Spitzenmanagers. Immerhin hat Blessing bereits einige Jahre in der Schweiz verbracht - als Student an der Managerschmiede in St. Gallen.