Mensch versus Maschine - Goldman Sachs: Menschen traden besser als Algorithmen – zumindest bei ESG-Themen

Investitionsentscheidungen im nachhaltigen Anlagebereich erfordern nach Einschätzung von Goldman Sachs eine menschliche Komponente, an die Algorithmen bisher nicht heran kommen.
12.04.2021 16:30
Algorithmen finden in der Vermögensverwaltung mehr und mehr Verwendung.
Algorithmen finden in der Vermögensverwaltung mehr und mehr Verwendung.
Bild: unsplash.com

“ESG, Aktivismus und Verantwortung brauchen Menschen”, sagt Goldmans Vermögensverwaltungschef für die nordischen Länder, Thomas Konig. Nur ein Teil sei quantitativ zu bewältigen.

Für die ESG-Strategie der Bank ist Skandinavien besonders wichtig. Kunden sind hier in Bezug auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie gute Unternehmensführung besonders anspruchsvoll. Zudem gehört die Sparanlagenbranche der Region pro Kopf betrachtet zu den Grössten der Welt. Was sich in Europas Norden bewährt, könnte im Segment deshalb als Blaupause für andere Teile der Welt taugen.

“Aktives Management hat wieder eine Rolle zu spielen”, so Konig. Dies sei “nicht etwas, dass gegenüber ETFs und privaten Märkten auf dem Rückzug ist.” Goldman stockt seine Belegschaft in Skandinavien um 40 Prozent auf.

Vor zwei Jahren war die Lage laut Konig noch anders. In Reaktion auf das extreme Niedrigzinsumfeld und parallel laufende Märkte wurden Kosteneinsparungen vorangetrieben. Im Zuge dessen profitierten börsennotierte Fonds, von Profis verwaltete Portfolios hatten das Nachsehen. Die Anforderungen von ESG-Investments könnten, so Konig, für den seit Jahren unter Jobabbau leidenden Finanzsektor zum Rettungsanker werden.

Goldman verfüge über eine “eine intensive Pipeline” an neuen Produkten, die in diesem Jahr vorgestellt werden sollen. Ein Schwerpunkt werde dabei der festverzinsliche Bereich sein, so Konig. Die geplanten ETFs sollen dabei aktive Verwaltung umfassen. Konig wäre “nicht überrascht, wenn alle unsere neuen ETFs im ESG-Bereich angesiedelt wären, aktiv verwaltet werden oder über einen bestimmten integrierten Filter verfügen.”

Im Finanzsektor der Länder im europäischen Norden zeichnet sich indessen ein Mangel an Arbeitskräften ab. In den kommenden Jahren wird es nach Angaben des dänischen Arbeitgeberverbands an bis zu 8000 geeigneten Kandidaten für offene Stellen mangeln. Goldman will in der Region bis zum Jahresende rund 70 neue Mitarbeiter einstellen.

(Bloomberg)