Michael Ringier - «Der ‹Blick› ist nicht zu verkaufen, und zwar an niemanden»

Verleger Michael Ringier, Verwaltungsratspräsident des gleichnamigen Medienunternehmens, äussert sich im cash-Video-Interview zu den Ringier-Geschäftszahlen 2016 und zur Zukunft der Blick-Gruppe.
05.04.2017 15:13
Von Daniel Hügli
Michael Ringier, VR-Präsident von Ringier, im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

Reingewinn verdoppelt auf fast 23 Millionen Franken, Umsatzsteigerung um 11 Prozent auf 1,05 Milliarden Franken, Anstieg des operativen Gewinns (Ebitda) um 13 Prozent auf 108 Millionen Franken und damit Verbesserung der Marge auf 10,3 Prozent nach 10,2 Prozent. Die Geschäftszahlen 2016 des Medienunternehmens Ringier sind durchs Band besser als im Vorjahr.

Die seit Jahren vorangetriebene Transformation zu einem diversifizierten und digitalen Unternehmen zeigt damit langsam Wirkung. Das sieht auch Verleger und Ringier-Verwaltungsratspräsident Michael Ringier so. Dennoch sagt er im cash-Video-Interview: "Wir sind bei den Zahlen noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Das gilt auch für die nächsten Jahre noch." 

Michael Ringier spricht damit das Bestreben des Unternehmens an, die Abhängigkeit vom Kerngeschäft - das heisst Zeitungen, Zeitschriften und Druckereien - zu reduzieren. Ringier hat in den letzten zehn Jahren rund 40 M&A-Transaktionen (zum Beispiel die Scout-Gruppe oder das Portal Jobs.ch) vorab im digitalen Bereich vorgenommen, das Medienunternehmen hat dafür rund 1,7 Milliarden Franken ausgegeben. "Wir sind auf einem langen, aber richtigen Weg", sagt Ringier dazu. Ordentliche Abschreibungen auf den übernommenen digitalen Aktivitäten werden auch in den kommenden Jahren den Gewinn drücken. 

Dass sich Ringier in einer Transformationsphase befindet, zeigen die Rekord-Geschäftszahlen, die fast eine Dekade zurückliegen. Der Reingewinn betrug im Jahr 2008 103 Millionen Franken und der Umsatz lag bei 1,5 Milliarden Franken. Ringier konsolidiert unter seinem Dach mittlerweile 90 Gemeinschaftsunternehmen und zählt gruppenweit rund 150 Publikationen, etwa 200 digitale Plattformen sowie mehr als 90 mobile Applikationen.

Bezüglich Gesamtumsatz hat Ringier den Konkurrenten Tamedia wieder überholt. Beim Herausgeber des Tages-Anzeigers sank der Umsatz im letzten Jahr um 6 Prozent auf 1 Milliarde Franken, der Gewinn betrug noch 122 Millionen Franken und der Ebit sank um 13 Prozent auf 114 Millionen Franken. Der digitale Anteil am Ebitda beträgt bei Tamedia 51 Prozent. 

«Der Wert ist für uns bestens»

Letzter Wert liegt bei Ringier höher. Mittlerweile 62 Prozent des operativen Gewinns erwirtschaftet Ringier mit digitalen Geschäftsmodellen. Im Geschäftsjahr 2012 lag der Anteil der digitalen Geschäfte am operativen Gewinn noch unter einem Prozent. Dennoch stagnierte 2016 dieser Anteil zum ersten Mal seit Jahren, was Michael Ringier aber nicht aus der Fassung bringt.

"Der Wert ist für uns bestens", sagt er. Es sei klar, dass das digitale Wachstum nicht im Tempo der letzten Jahre weitergehen könnne, zudem habe man mit dem Gemeinschaftsunternehmen Ringier Axel Springer Schweiz (Zusammenlegung der Ringier-Zeitschriftentitel mit dem Schweiz-Geschäft von Axel Springer) wieder mehr Print-Anteil in der Gesamtrechnung. Dennoch nimmt der Anteil aus dem Print-Bereich am operativen Gewinn generell ab. "Das macht nicht nur uns Sorgen, auch der ganzen Branche. Es ist ein trauriges Bild", sagt Ringier. 

Den digitalen Wandel illustriert das Beispiel der Blick-Gruppe. Sie erreichte 2016 erstmals mehr Leser über die digitalen Kanäle als mit der gedruckten Ausgabe der Tageszeitung "Blick". Der Werbeumsatz von "Blick.ch" übertraf ebenfalls erstmals jenen des gedruckten Blattes. 

In die Schlagzeilen geriet Ringier in den letzten Monaten aber nicht vorwiegend wegen operativer Tätigkeiten, sondern aufgrund von Spekulationen um die Zukunft der Blick-Gruppe. Im Januar trat Medienanwalt Martin Wagner mit einem Kaufangebot von über 200 Millionen Franken für den Boulevard-Titel an Ringier heran. Laut Ringier wurde Auto-Importeur und SVP-Vorstandsmitglied Walter Frey als Hauptinvestor genannt. Das hohe Kaufangebot begründete Wagner mit einem "genialen, digitalen Sporttageszeitungsmodell" mit gebührenpflichtigen Inhalten.

Doch Ringier lehnte schliesslich trotz des hohen Kaufpreises ab. Warum? "Wir brauchen den 'Blick', er gehört zur Firma", sagt Michael Ringier. "Der 'Blick' gibt uns Bedeutung, Wichtigkeit und Reichweite." Daher sei der "Blick" nicht zu verkaufen, "und zwar an niemanden", betont Ringier mit Nachdruck.

Im Video-Interview mit cash äussert sich Michael Ringier auch zum Start der Werbeallianz Ademira (Swisscom, SRG, Ringier) und zur Zukunft von Ringier als familiengeführtes Unternehmen.