Die Verwaltungen aller zehn Regionalgenossenschaften und des MGB haben dem Vorhaben einstimmig zugestimmt, wie die Migros am Montag mitteilte. Die 2,3 Millionen Genossenschafter sollen Mitte 2027 in einer Urabstimmung endgültig darüber entscheiden. In jeder der zehn Regionalgenossenschaften ist dafür eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.
Die neue Gruppengenossenschaft soll das Dach über die sieben weiterhin eigenständig operierenden Geschäftseinheiten bilden. Dazu gehören neben Migros Supermarkt unter anderem Denner, Digitec Galaxus und die Migros Bank. Das Supermarktgeschäft soll künftig schweizweit aus einer Hand geführt werden.
Sechs Regionalräte geplant
Die bisherigen regionalen Führungsstrukturen sollen weitgehend abgelöst werden. Stattdessen sind sechs Regionalräte vorgesehen, welche die Anliegen der Regionen einbringen und die Delegierten für die nationale Delegiertenversammlung wählen. Laut Migros sollen die regionale Verankerung und die genossenschaftliche Mitsprache erhalten bleiben.
Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» könnten durch die Neuorganisation rund 3000 Stellen wegfallen. Das mögliche Einsparpotenzial wird auf jährlich 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt. Die Migros nennt in ihrer Mitteilung weder konkrete Einsparziele noch eine Zahl betroffener Stellen.
Sie verspricht vielmehr, dass es in den Regionalgenossenschaften bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingten Entlassungen geben werde. Die Veränderungen beträfen vor allem Verwaltung und Management. Für betroffene Mitarbeitende sollen nach Möglichkeit Anschlusslösungen innerhalb der Gruppe gefunden werden.
Irminger und Diethelm treten zurück
Mit der geplanten Fusion kommt es auch zu einem Führungswechsel. Migros-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, wollen ihre Funktionen auf den Zeitpunkt der Urabstimmung Mitte 2027 abgeben. Beide werden dann 62 Jahre alt sein.
Sie hätten sich mit voller Überzeugung für die neue Struktur eingesetzt, teilte die Migros mit. Ihre Nachfolger sollen den mehrjährigen Aufbau der neuen Organisation von Anfang an führen können. Die Suche nach ihnen wurde bereits eingeleitet.
Zweiter grosser Umbau
Die Migros befindet sich seit 2024 in einem tiefgreifenden Umbau. Chef Mario Irminger vollzog den bisher grössten Umbau ihrer Geschichte. Verlustbringende oder nicht mehr zum Kerngeschäft passende Unternehmen wurden abgestossen.
Mit dem Verkauf von Fachmarktketten und anderen Geschäften wie Melectronics, SportX, Micasa, Hotelplan oder Mibelle konzentriert sich die Migros künftig auf die Bereiche Detailhandel, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Mit der Umstrukturierung fielen gegen 1500 der insgesamt rund 100'000 Stellen weg.
Die komplizierte Genossenschaftsstruktur gilt seit Jahrzehnten als Hindernis für schnellere Entscheidungen. Bereits in den 1990er-Jahren scheiterte ein Versuch, die damals zwölf Regionalgenossenschaften auf drei zu reduzieren. Der Konkurrent Coop legte seine Regionalgenossenschaften bereits 2001 zusammen.
(AWP)

