Mini-Börsengänge - Winzige IPOs, grosse Verluste - einer der wildesten US-Märkte

Behinderung der Justiz, Verkaufs nicht-registrierter Aktien: Trotz Unregelmässigkeiten sind drei Unternehmen jetzt in den USA an die Börse gegangen - auf dem vielleicht verrücktesten Markt der Wall Street: Mini-IPOs.
13.11.2017 20:05
Trader in der Börse an der Wallstreet in New York.
Trader in der Börse an der Wallstreet in New York.
Bild: Bloomberg

Die drei Unternehmen sind nicht gerade Blue-Chips. Eines wurde kürzlich an der New York Stock Exchange mit einem Wert von nur 43 Millionen Dollar gelistet, das meiste Geld stammte von Kleinanleinvestoren.

Und einige der Wertpapierfirmen, die diese Unternehmen an den Markt bringen, sind ihrerseits auch nicht gerade Blue-Chips. Der Rat der Behörden: Käufer, passen Sie auf! "Diese Aktienangebote sind extrem schwer zu überwachen", sagt etwa William Galvin, der oberste Wertpapieraufseher des Bundesstaats Massachusetts.

Keines der Unternehmen wurde eines Fehlverhaltens beschuldigt. Aber diese super-kleinen IPOs - bisher sieben insgesamt - sind absolute Hoch-Risiko-Anlagen. Alle Firmen bis auf eine haben seit dem Börsengang an Wert verloren - im Durchschnitt lag der Kursverlust bei rund 34 Prozent.

Die Mini-IPOs sind aus dem amerikanischen Jumpstart Our Business Startups Act (JOBS) hervorgegangen, einem Gesetz aus dem Jahr 2012, das kleinen Unternehmen helfen sollte, an die Börse zu gehen und so letztlich die Wirtschaft anzukurbeln. Es gibt jedoch kaum Belege dafür, dass das Gesetz tatsächlich viele Börsengänge angeschoben oder viele Arbeitsplätze geschaffen hat. 

Die Zahl der IPOs hat in den letzten zwei Jahrzehnten abgenommen, wobei der Rückgang in den letzten Jahren immer deutlicher wurde, weil Unternehmen viel Geld von Private-Equity- und Risikokapitalfirmen einsammeln können, erklärt Robert Bartlett, ein Professor für Rechtswissenschaften an der University of California in Berkeley. Regulatorische Hürden würde eine geringere Rolle spielen.

Begrenzte Offenlegungspflichten

Gemäss der von der Securities and Exchange Commission (SEC) im Jahr 2015 unter dem Gesetz eingeführten Regulierung A+ können winzige Unternehmen ihre Aktien mit begrenzten Offenlegungspflichten platzieren und Geld von weniger wohlhabenden Anlegern einwerben, selbst wenn die Wertpapiere nicht an einer grossen Börse gehandelt werden. Die Trump-Regierung will das maximale Volumen dieser sogenannten Crowdfunding-Angebote von 50 Millionen Dollar auf 75 Millionen Dollar erhöhen.

Die SEC lehnte es ab, sich zu äussern. Die Regulierungsbehörde hatte aber bekanntgegeben, dass etwa 25 Unternehmen bis 2016 mehr als 235 Millionen US-Dollar unter der Regulierung A+ eingesammelt haben. Die meisten haben keine Aktien an einer Börse gelistet. Die SEC-Regeln verbieten Unternehmensvertretern, an Mini-IPOs teilzunehmen, wenn sie innerhalb der vergangenen 10 Jahre gegen bestimmte Wertpapiergesetze verstossen haben.

Das Unternehmen Adomani, das Technologie zur Umwandlung von Fahrzeug-Benzinmotoren in Hybrid- und Elektroantriebe anbietet, ist im Juni an der Nasdaq aufs Börsenparkett gegangen. Es stellte den ehemaligen Superstar-Pro-Wrestler Bill Goldberg ein, um die Aussichten der Firma auf Twitter und Instagram zu bewerben. Der Aktienkurs ist seither um rund 45 Prozent eingebrochen, während das Unternehmen weiter unrentabel ist.

Adomani und Goldberg reagierten nicht auf Anfragen zu einer Stellungnahme.

Die Adomani-Aktienemission wurde von Boustead Wertpapiere LLC und Network 1 Financial Securities begleitet. Fast die Hälfte der registrierten Broker beider Unternehmen weisen negative Eintragungen wie Bussgelder oder Steuerpfändungen bei BrokerCheck auf, einer Datenbank, die von der Financial Industry Regulatory Authority unterhalten wird. Nur 13 Prozent der Broker in der gesamten Branche haben laut Finra, die von der Wall Street finanziert wird, solche Eintragungen.

Es wäre falsch, zu schlussfolgern, dass der Adomani-Börsengang riskanter war als andere Aktienverkäufe, basierend auf dem Hintergrund von Boustead-Mitarbeitern, "die nichts mit der Emission zu tun hatten", sagte Bousteads-CEO Keith Moore in einer E-Mail-Mitteilung. Network 1 hat auf Anfragen nach Kommentaren nicht reagiert.

(Bloomberg)