Mit mutigen Wetten bei der WM Geld verdienen

Die Fussball-Weltmeisterschaft bietet attraktive, aber auch risikoreiche Wettmöglichkeiten. Worauf Zocker achten sollten. Teil 3 der cash-Serie zur Fussball-WM 2014.
23.05.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Das Geschäft mit Sportwetten ist ein Milliardengeschäft.
Das Geschäft mit Sportwetten ist ein Milliardengeschäft.
Bild: Bloomberg

Bereits erschienen in der cash-Serie:

Was ist bloss mit Brasilien los? (21.5.)

«Die WM ist ein Fluch für Brasilien» (21.5.)

Brasilien ist ein heisses Pflaster für Anleger (22.5.)

Die Fussballweltmeisterschaft ist noch knapp drei Wochen entfernt, doch in den Wettbüros hat sie schon längst begonnen: Bei den grossen Anbietern wie bwin, bet365 oder William Hill sind Wetten auf den Weltmeistertitel schon seit geraumer Zeit möglich.

Wer am 13. Juli die Trophäe in die Höhe stemmen wird, ist für die Buchmacher-Gemeinde klar. Die brasilianische Mannschaft ist für die grössten Wettbüros der Top-Favorit und rentiert folglich am wenigsten. Wer dennoch auf den Gastgeber setzen will, kann zurzeit mit einer Quote zwischen 1:3 und 1:4 rechnen. Auf den weiteren vorderen Plätzen landen die Mannschaften aus Deutschland, Argentinien und Spanien. Bei ihnen wird ein eingesetzter Franken mit dem Faktor 5 bis 8 belohnt. Die Schweiz rangiert mit einer Quote von 1:101 hingegen im Mittelfeld.

Anbieter vergleichen

Bei der Ermittlung der Wettquoten berechnen die Buchmacher die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis anhand umfangreichen statistischen Materials. Dabei können bedeutende Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern entstehen. Deshalb rät die Wett-Plattform "wettbasis.com", die verschiedenen Quoten zu vergleichen und die attraktivsten auszuwählen. Dazu hat sie ein eigenes Tool zum Quotenvergleich entwickelt. Auch wird empfohlen, nur bei Büros zu wetten, die schnelle Auszahlungen und einen guten Kundenservice bieten. Auch hierzu gibt es im Internet zahlreiche Vergleiche.

Gelegentlich kommt es auch vor, dass sich die Buchmacher bei der Quote verschätzen und massive Verluste einfahren. So zum Beispiel beim Boxkampf zwischen Evander Holyfield und Mike Tyson 1996, als die Buchmacher und Casinos durch den Ko-Sieg von Holyfield rund 50 Millionen Dollar verloren.

Mut zu Aussenseitern

Das grosse Geld lockt bei Sportwetten stets bei den Aussenseitern. Denn je unwahrscheinlicher ein Ereignis, desto höher die Quote. Für die bevorstehende WM sind sich die Wettbüros einig, dass Iran, Honduras und Costa Rica die geringsten Chancen auf den Titel haben. Setzt man einen Franken auf ein Team aus diesem Trio, erhält man bei einem Überraschungscoup bis zu 3000 Franken zurück. Bei der letzten WM vor vier Jahren wäre ein solcher Coup beinahe eingetroffen. Die Mannschaft aus Uruguay stürmte bis ins Halbfinale – der WM-Titel wäre mit einem Faktor von 126 belohnt worden. Ansonsten hielten sich die Überraschungen in Grenzen. Der spätere Weltmeister Spanien wurde schon vor dem Turnier mit einer Quote von 5,5 als Favorit gehandelt.

Was Sportwetten deshalb besonders reizvoll macht, sind die Spezialwetten. Hier lassen sich attraktive Quoten mit einigermassen realistischen Wahrscheinlichkeiten kombinieren. Eine Wette auf Real Madrids Tormaschine Cristiano Ronaldo als WM-Torschützenkönig wird mit einem Faktor von 15 belohnt und wer beim Eröffnungsspiel mit einem 0:2 zwischen Brasilien und Kroatien richtig liegt, erhält das 35fache des  ursprünglichen Einsatzes.

Korruption als Bedrohung

Der Wettindustrie haftet seit längerem den Ruf an, ein Tummelfeld für Betrüger zu sein. So hat jüngst der Sicherheitschef der Fifa darauf hingewiesen, er befürchte, dass die organisierte Kriminalität auch an der Weltmeisterschaft in Brasilien versuche, Spiele zu manipulieren. Bei konkretem Verdacht könne die Fifa so weit gehen, dass sie Spiele sogar absage, so Ralf Mutschke in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Diese Befürchtung wird von einer aktuellen Studie der Pariser Sorbonne-Universität und des Internationalen Zentrums für Sportsicherheit gestützt. Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass jährlich durch Sportwetten illegale Gelder in der Höhe von 140 Milliarden Dollar gewaschen würden. Weil eine Regulierung dieser Geschäfte fehle, breiteten sich Spielmanipulationen immer weiter aus, so die Studienautoren. Dadurch gerate die Zukunft des Sports in Gefahr. Besonders anfällig auf Kriminalität seien Fussball und Cricket.

Wem Sportwetten also zu riskant sind, kann sich über Aktienengagements am Geschäft beteiligen. Die Neue Helvetische Bank empfiehlt beispielsweise die Titel des in London ansässigen Lotterieanbieters Tipp24. Das Unternehmen bekräftigt den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr positiv. Experten prognostizieren zudem, dass der weltweite Umsatz mit Online-Sportwetten bis 2015 rund 300 Milliarden Franken erreichen wird.