Finanzchef Martin Huber verlässt Aryzta, um eine Führungsaufgabe ausserhalb des Unternehmens zu übernehmen. Das hat der Backwarenkonzern am Freitagmorgen mitgeteilt. Wann er geht, ist offen, die Nachfolge will Aryzta «zu gegebener Zeit» bekanntgeben.

Am Markt kommt der Abgang derweil schlecht an: Die Aktie fällt rund 90 Minuten nach Handelsbeginn um 2,3 Prozent auf 42 Franken und damit stärker als der Gesamtmarkt (SPI: -1,6 Prozent).

Der Zeitpunkt der Personalie ist heikel, denn Aryzta steckt mitten in einem Umbau. Auslöser ist das schwache Deutschland-Geschäft. Im ersten Halbjahr 2026 brach der Umsatz dort um rund 10 Prozent ein, und der Markt steht für mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes. Daraufhin zog Aryzta im Oktober die Notbremse und schliesst zwei Werke in Deutschland.

Huber war seit 2021 für die Finanzen zuständig, in einer Phase, in der Aryzta seine Bilanz sanierte und die Hybridanleihen ablöste. Die ZKB zeigt sich denn auch in einem Marktkommentar überrascht über den Abgang mitten im Transformationsprozess und hätte sich Klarheit gewünscht, wie lange Huber noch im Amt bleibt. Vontobel sieht die nötigen Massnahmen als ergriffen. Deren Umsetzung sei die zentrale Aufgabe für den neuen CFO.

Trotz dieser Unruhe mitten im Umbau will das Management an seinem Versprechen an die Aktionäre festhalten. Ab 2027 will Aryzta erstmals seit zehn Jahren wieder Kapital zurückführen. An der GV 2027 sollen die Aktionäre über eine Dividende, Aktienrückkäufe oder beides abstimmen. Stützen soll dies ein erwarteter Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 300 Millionen Euro und ein freier Cashflow von rund 100 Millionen Euro im laufenden Jahr. Allerdings gelten beide Zahlen vor Einmalkosten. Die Kosten für den Umbau in Deutschland sind noch abzuziehen.

An der Börse überwiegt deshalb Vorsicht. Mit einem geschätzten KGV von 11 für 2027 und einer hohen Rendite auf dem freien Cashflow ist die Aktie zwar günstig bewertet. Der Abschlag spiegelt jedoch die operativen Risiken. Die UBS stufte die Titel im August von «Buy» direkt auf «Sell» ab, mit einem Kursziel von 40 Franken, und verwies auf schwaches Wachstum und Risiken für die Preissetzungsmacht.

Ob Aryzta zur Dividendenperle wird, entscheidet sich damit in Deutschland. Gelingt die Restrukturierung, bleibt Geld für die Aktionäre übrig. Damit wäre der Titel bei derzeit 42 Franken attraktiv.

Monique Misteli Ringier
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