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Müssen Anleger die Galenica-Aktie jetzt haben?

Mit dem Ausstieg des Finanzinvestors KKR fällt bei Galenica ein gewichtiger Unsicherheitsfaktor weg. Steigt die Aktie des Berner Gesundheitskonzerns nun wieder in höhere Kurssphären?
12.01.2017 12:55
Von Lorenz Burkhalter
Galenica will das Apothekengeschäft an die Börse bringen.
Galenica will das Apothekengeschäft an die Börse bringen.
Bild: ZVG

Was die Spatzen am Hauptsitz von Galenica in Bern schon seit Tagen von den Dächern pfeifen, ist seit dem frühen Montagmorgen endlich offiziell: Die Aktionärsgruppe um den bekannten amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR, hat sich von der hintersten und letzten Aktie getrennt. In der Spitze hatte sie mehr als 25 Prozent am hiesigen Gesundheitskonzern gehalten.

Als sich die Aktionärsgruppe im Mai letzten Jahres von einer ersten Beteiligungstranche trennte, liess das den Aktienkurs am besagten Tag um 10 Prozent absacken. Seit damals wurde KKR gerüchteweise ein vollständiger Ausstieg nachgesagt, was wie ein Damoklesschwert über der Aktie von Galenica schwebte. Von ihrem Höchststand von über 1600 Franken Ende 2015 sank die Aktie im letzten Jahr zeitweise auf unter 1000 Franken ab. Seit November ist der Titel wieder am Steigen.

Elegante Refinanzierung der Relypsa-Übernahme

Mit dem am Montag früh bekannt gewordenen Ausstieg fällt ein bedeutender Unsicherheitsfaktor weg. Anleger können sich nun wieder auf das Tagesgeschäft sowie auf die für die zweite Jahreshälfte geplante Unternehmensaufspaltung konzentrieren.

Die Aufspaltung soll mittels eines Börsengangs des Apothekengeschäfts vollzogen werden, was Experten zufolge gut 1,8 Milliarden Franken in die Kasse spülen sollte. Damit schlägt Galenica zwei Fliegen mit ein und derselben Klappe. Denn mit dem Erlös kann die verbleibende Pharmasparte elegant den Überbrückungskredit für die erst im Juli übernommene amerikanische Relypsa tilgen.

Neue Schwergewichte im Aktionariat

Erste Anhaltspunkte in Bezug auf das Tagesgeschäft verspricht die am 19. Januar anstehende Veröffentlichung der Umsatzzahlen für das Geschäftsjahr 2016. Analysten erwarten ein durchschnittliches Umsatzplus von rund 8 Prozent auf 4,1 Milliarden Franken. Gut möglich, dass das Unternehmen an diesem Tag auch mit weiteren Aussagen zur geplanten Unternehmensaufspaltung aufwartet.

Gerüchteweise werden dem langjährigen Aktionär Martin Ebner - er hält über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex und die BZ Bank kollektiv 17,3 Prozent an Galenica - und dem Hotel-Investor Remo Stoffel mit seinen 8,2 Prozent ähnlich gelagerte Interessen nachgesagt. Stoffel hatte vor einigen Wochen eine Beteiligungstranche der Aktionärsgruppe um KKR übernommen.

In Analystenkreisen werden die Aussichten von Galenica mehrheitlich als gut beurteilt. Erst kürzlich stufte der für die UBS Investmentbank tätige Analyst die Aktien des Gesundheitsunternehmens mit einem 1‘300 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel von „Neutral“ auf „Buy“ herauf. Er sagt den beiden Schlüsselmedikamenten Veltassa und Ferinject/Injectafer eine grosse Zukunft vorher.

Diese Einschätzung teilt auch der Berufskollege von Baader Helvea. Er empfiehlt die Aktie sogar mit einem Kursziel von 1380 Franken zum Kauf, was einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von knapp 20 Prozent entspricht. Dank der wegfallenden Black-Box-Warnung für das Medikament Veltassa geht der Experte bei diesem mit der Übernahme von Relypsa erworbenen Präparat von einer Absatzbeschleunigung aus.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 auf Basis der diesjährigen Schätzungen ist die 20 Prozent über den letztjährigen Tiefstständen notierende Galenica-Aktie zwar kein Schnäppchen. Im Hinblick auf die geplante Unternehmensaufspaltung ist aus Aktionärssicht jedoch für Fantasie gesorgt. Gleichzeitig sorgen die beiden Ankeraktionäre dafür, dass Ruhe ins Aktionariat einkehren sollte.