Die Aktie von Kühne+Nagel steigt am Montag nach Handelseröffnung 5 Prozent auf 226 Franken. Das ist der höchste Stand seit Ende September 2024.
Das Logistikunternehmen, dessen Aktie seit heute Montag nicht mehr im Swiss Market Index enthalten ist, gab eine langfristige strategische Zusammenarbeit mit dem Online-Giganten Amazon bekannt. Diese solle die bereits heute bestehende Geschäftsbeziehung vertiefen und neue Möglichkeiten erschliessen, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst.
Die Zusammenarbeit umfasst Logistikdienstleistungen für die Infrastruktur des Cloudproviders Amazon Web Services (AWS). In diesem Geschäftsbereich will Kühne+Nagel wachsen.
«Amazon ist ein wichtiger Kunde von Kühne+Nagel, und die intensivierte Beziehung dürfte das starke Wachstum im profitablen Datencentergeschäft des Unternehmens in Zukunft weiter beschleunigen», schreibt die Bank Vontobel in einem Kommentar. Das Institut hat eine «Kaufen»-Empfehlung auf der Aktie mit einem Kursziel von 240 Franken. Das durchschnittliche Kursziel der bei Bloomberg erfassten Analysten liegt bloss bei 201 Franken.
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) fügte an, dass die Vertiefung der Partnerschaft positiv zu werten sei, insbesondere in Anbetracht dessen, dass Amazon Anfang Mai 2026 bekannt gab, zukünftig auch als Logistikanbieter und sogar Freight Forwarder aufzutreten. Dass AWS als Kunde gewonnen werden konnte, zeigt laut Analyst Marco Estermann von der Luzerner Kantonalbank, dass Kühne+Nagel ein erfolgreiches und skalierbares Konzept für die hochkomplexe Rechenzentren-Logistik besitze. Google Cloud ist bereits Kunde von Kühne.
Für Kühne+Nagel ergäbe sich nach Meinung der ZKB aber auch zusätzlich ein potenzielles Risiko im klassischen Speditionsgeschäft: «Da Amazon explizit auch Transporte aus Überseefabriken inklusive Zollabwicklung adressiert, deutet dies unseres Erachtens auch auf Ambitionen im Freight Forwarding hin. Das Risiko dürfte sich jedoch vor allem auf das Luftfracht- und Contract-Logistics-Geschäft mit US-Kunden mit starkem E-Commerce-Geschäft konzentrieren», so die ZKB, die eine «Marktgewichten»-Empfehlung auf der Aktie hat.
Wie die Agentur AWP aus Unternehmenskreisen erfahren haben will, erwirtschaftet Kühne+Nagel schon heute mit Amazon einen Jahresumsatz im hohen dreistelligen Millionenbereich. Die jetzige Vereinbarung habe das Potenzial, den Umsatz mit diesem Kunden auf mehrere Milliarden zu steigern.
Die Zusammenarbeit wird durch eine Call-Option auf Aktien von Kühne+Nagel unterstützt, die es Amazon ermöglicht, basierend auf dem Erreichen von Meilensteinen am kommerziellen Erfolg der Beziehung teilzuhaben. Zur Grössenordnung macht das Unternehmen keine Angaben. «Die allenfalls betroffenen Aktien sind in Anbetracht des Zeithorizonts von 7 Jahren überschaubar», schreibt die ZKB.
Amazon kann laut Reuters Kühne-Aktien zum gegenwärtigen Kurs erwerben. Amazon hat also durchaus ein Interesse daran, Kühne+Nagel hohe Aufträge zu erteilen.
Laut von AWP zitierten Insidern kann Amazon höchstens eine einstellige Prozentzahl an Kühne+Nagel erwerben. Womöglich werde nicht einmal die meldepflichtige 3-Prozent-Schwelle überschritten.

