Ein Schlussplus von 2,1 Prozent am gestrigen Dienstag und in der Spitze sogar ein Intraday-Gewinn von 4,6 Prozent - für das defensive Schwergewicht Nestlé sind das ungewohnt dynamische Ausschläge. Ein Grossteil dieses Kurssprungs geht wohl auf Sektorumschichtungen nach dem Einbruch beim Pharmariesen Novartis zurück. Ein Blick auf die Daten zeigt, wie selten ein solches Ereignis bei Nestlé ist.
In den vergangenen 15 Monaten schloss der Lebensmittelmulti lediglich 17-mal mit einem Plus von über 2 Prozent. Einen Kurssprung während des Handelstages in dieser Grösse gab es im selben Zeitraum sogar nur achtmal. Damit versucht die Aktie, sich aus dem jüngsten Tiefstand bei rund 78 Franken herauszukämpfen.
Die entscheidende Frage für Anlegerinnen und Anleger lautet nun, ob dieser Impuls die seit rund zwei Jahren anhaltende Seitwärtsbewegung zwischen 70 und 86 Franken aufbrechen kann. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass derart starke Handelstage kurzfristig durchaus weitere Kursgewinne nach sich zogen: So folgte beispielsweise auf einen ähnlichen Kurssprung am 23. April eine kleine Hausse, die allerdings nach zwei Tagen bereits wieder abebbte. Wesentlich nachhaltiger wirkte ein Impuls am 24. Juni, der eine Erholung einleitete, welche über einen ganzen Monat anhielt und einen weiteren Anstieg von 6 Prozent einbrachte.
Im Februar dieses Jahres waren hohe Gewinne fast an der Tagesordnung. Nachdem die Titel am 19. Februar um bis zu 5,6 Prozent anzogen, setzten sie die Gewinnserie fünf Tage später mit einem Plus von bis zu 4,8 Prozent fort. Insgesamt legten die Nestlé-Papiere in dieser Phase rund 8 Prozent zu, bevor die Dynamik nachliess und Gewinnmitnahmen einsetzten.
Allerdings überdauerten längerfristig stets die fundamentalen Herausforderungen des Konzerns die kurzfristigen Hoffnungsschimmer. So zeigten die jüngsten Halbjahreszahlen deutlich, dass Margen und Wachstum weiterhin die Sorgen der Investorinnen und Investoren antreiben. Der Dämpfer vom 23. Juli sitzt im Markt nach wie vor tief: Damals enttäuschte der Lebensmittelmulti mit einem etwas vorsichtigeren Ausblick, woraufhin die Titel um fast 8 Prozent einbrachen.
Da auch bei den Analystinnen und Analysten bezüglich der weiteren Kursentwicklung eine abwartende bis verhalten optimistische Haltung vorliegt, dürfte der gestrige Impuls kein Bruch mit den Kursentwicklungen der jüngsten Vergangenheit sein. Zwar stuft die Mehrheit der Experten die Aktie mit «Kaufen» ein, fast ebenso viele empfehlen jedoch «Halten». Das durchschnittliche 12-Monate-Kursziel liegt bei rund 88,45 Franken. Das entspricht vom aktuellen Niveau aus einem Potenzial von gut 10 Prozent.

