Nach jüngsten Fehlschlägen: Actelion und Sanofi stehen unter Druck

Die Schatten gescheiterter Transaktionen in der jüngsten Vergangenheit hängen über den Managern der europäischen Pharmakonzerne Sanofi und Actelion.
16.12.2016 19:51
Jean Paul Clozel, CEO Actelion.
Jean Paul Clozel, CEO Actelion.
Bild: ZVG

Sanofi-Chef Olivier Brandicourt hatte Medivation, einen Hersteller von Krebs-Medikamenten, im August nach Monaten öffentlicher Jagd an Pfizer verloren. Und Actelion-CEO Jean-Paul Clozel erteilte vor wenigen Tagen einer Offerte von Johnson & Johnson eine Absage, worauf der US-Konzern am Donnerstag die Gespräche schließlich beendete.

Letzteres führte bei einigen Investoren zu der Frage, ob Clozels Wunsch nach Beibehaltung der Kontrolle über das Unternehmen, das er aufgebaut hatte, einer Transaktion im Weg stand. Den Aktionären hätte eine Transaktion einen 67-Prozent-Aufschlag seit den ersten Berichten über die Gespräche beschert.

Jetzt, nachdem die Verhandlungen von J&J beendet wurden, werden Clozel und Actelion-Verwaltungsratschef Jean-Pierre Garnier zunehmend dazu gedrängt, eine andere Offerte in Erwägung zu ziehen. Das erfuhr Bloomberg von Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Das könnte möglicherweise bedeuten, dass der Konzern gegenüber Sanofi mehr Flexibilität bei Preis und Struktur einer Transaktion zeigen wird. Gleichzeitig würden freundliche Verhandlungen für das französische Unternehmen eine willkommene Abwechslung sein – Anfang des Jahres musste Sanofi damit drohen, den Verwaltungsrat von Medivation ablösen zu lassen, um das Management zur Erwägung der vorgelegten Offerte zu bewegen.

„Wir vermuten, dass Clozel keinen Deal machen will. Aber offensichtlich gehört ihm das Unternehmen nicht”, sagt Christophe Eggmann, Asset-Manager bei GAM Holding, die an keiner der beiden Firmen beteiligt ist. „Er hat Aktionäre. Und die haben ein Wörtchen mitzureden.“

Aus kultureller Sicht besser zusammen passend

Sanofi, mit französischen Top-Managern, passt Eggmann zufolge aus kultureller Sicht potenziell besser zu Actelion als J&J, da der Konzern ebenfalls von einem Franzosen geleitet wird und seinen Sitz nahe an der Grenze zu Frankreich hat.

„Falls sie auf ihre Aktionäre hören würden, hätten sie das Angebot angenommen“, sagt Markus Manns, Asset-Manager bei Union Investment GmbH in Frankfurt, die Aktien an Sanofi und Actelion hält, mit Blick auf die J&J-Offerte.

Actelion hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass sich das Unternehmen mit einer Partei im Gespräch befindet, bei der es sich nicht um J&J handelt. Nach Informationen von Bloomberg ist Sanofi der Interessent, und im Gespräch sei ein Preis von rund 280 Dollar je Actelion-Aktie. Damit wäre das Schweizer Unternehmen mit etwa 30,5 Mrd. Franken bewertet. Weder Actelion noch Sanofi bestätigten bislang, dass sie miteinander verhandeln. Der Kurs von Actelion klettere am Freitag in Zürich um bis 9 Prozent, Sanofi verloren 1,1 Prozent.

Actelions Portfolio könnten gut zu dem von Sanofi passen. Die Medikamente des Biotechnologie-Unternehmens für pulmonale Hypertonie würden Sanofi ein Standbein auf dem respiratorischen Markt geben – was nützlich wäre, falls es die Zulassung für das eigene experimentelle Asthma-Medikament Dupilumab erhält, sagt Analyst Eric Le Berrigaud von Bryan Garnier in Paris.

„Es hängt davon ab, als wie verzweifelt man Sanofi mit Blick auf einen Deal oder neue Produkte beschreiben würde”, meint Fondsmanagerin Birgit Kulhoff von Rahn & Bodmer in Zürich.

(Bloomberg)