Die Valoren von Medartis gewannen am Montag um 6,5 Prozent auf 103,80 Franken und schlossen am Montag als Leader im Swiss Performance Index (SPI). Der Titel überwindet damit erstmals seit vier Jahren die Marke von 100 Franken. Bis zum Allzeithoch vom März 2022 von 144 Franken fehlen noch rund 40 Prozent.
Medartis zeigte sich dank eines dynamischen US‑Geschäfts für das laufende Jahr erneut zuversichtlicher, wie es in einer Pressemitteilung hiess. Sollte die aktuelle Nachfrage anhalten, dürfte das organische Kernumsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen die bisherige Zielspanne von 17 bis 19 Prozent übertreffen. Diese hatte Medartis im August von zuvor 16 bis 18 Prozent erhöht. Die höheren Umsätze dürften die Kern-EBITDA-Marge in diesem Fall an das obere Ende der bisherigen Prognose «im hohen Zehnprozentbereich» bringen.
Ausserhalb der USA entwickeln sich laut Medartis sowohl das Endoprothetik- als auch das Osteosynthese-Geschäft weiterhin gut, angeführt von der EMEA‑Region. Die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2026 will der Hersteller und Anbieter von Medizinprodukten am 2. März 2027 veröffentlichen.
Grundstein des jetzigen Erfolges sind die schnelle Einführung der TOUCH-Daumensattelgelenkprothese in den USA sowie gute Wachstumszahlen in den Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA). Die Analysten der Zürcher Kantonalbank sind denn auch voll des Lobes. Mit der erneuten Anhebung der Guidance verbessere sich die Ertragslage von Medartis spürbar und das Unternehmen sei gut positioniert, seine Finanzziele für 2026 zu übertreffen und seine
Marktstellung weiter zu stärken. Die ZKB bekräftigt die Einstufung «Übergewichten» und sieht den Wert der Aktie basierend auf dem freien Cashflow bei 130 Franken.
Manch Anlegerin oder Anleger mag sich nun fragen, wieso er bei einer Aktie kurzfristig einsteigen soll, die erstens auf kurze Frist schon einen Anstieg von 30 Prozent hinter sich hat und deren Durchschnittskursziel der Analysten sich um den aktuellen Marktwert bewegt. Das gilt auch dann, wenn man das hohe, vorwärtsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 56 in Betracht zieht.
Auf diese Frage liefert der US-Broker Stifel eine aufschlussreiche Erklärung: Die langfristige Chance sei weitaus grösser als die diesjährige Prognoseanhebung. Die Erkenntnisse vom Investorentag im Juni sowie von einer Handchirurgie-Konferenz deuteten darauf hin, dass es weniger Widerstände bei der Kostenerstattung gibt als erwartet.
Zudem zeigten Chirurgen anfangs eine höhere Produktivität, und durch gezielte Schulungen konnten neue Chirurgen für den Kundenstamm von Medartis gewonnen werden. Diese Beobachtungen stützen die Einschätzung der Stifel-Experten, dass das Ziel für 2030, 15'000 Eingriffe in den USA zu erreichen, eher konservativ angesetzt sein könnte. Die am Montag vorgelegten Informationen zur Marktakzeptanz untermauerten diese These.
Zur Veranschaulichung führen die Analysten des Brokers aus: 15'000 Eingriffe pro Jahr in den USA entsprächen einem Umsatz von 98 Millionen Dollar. Bei 30'000 Eingriffen läge der Umsatz bei 195 Millionen Dollar, bei 50'000 Eingriffen sogar bei 325 Millionen Dollar. Diese Berechnung basiert auf dem aktuellen Modell mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 6500 Dollar und den Wechselkursannahmen für das Geschäftsjahr 2026.
Es handelt sich hierbei um beispielhafte Szenarien, aber sie zeigen auf, wohin die Reise bei Medartis gehen könnte. Das tatsächliche Ergebnis werde zudem von Faktoren wie Preisgestaltung, Wettbewerbseintritten, Kostenerstattung und der Anzahl der geschulten Chirurgen abhängen, so Stifel.
Dennoch wird die Attraktivität des Investments immer deutlicher. TOUCH-Daumensattelgelenkprothesen stellten einen differenzierten Wachstumstreiber mit hoher Bruttomarge dar, der das Potenzial habe, die Grösse und Rentabilität der gesamten Unternehmensgruppe massgeblich zu verändern, so die Stifel-Experten.
«Die kurzfristige Prognoseanhebung ist erfreulich. Noch wichtiger ist jedoch der Hinweis darauf, dass die Marktchance in den USA die ursprünglichen Erwartungen übertreffen könnte. Wir bestätigen unsere Kaufempfehlung», meinen die Experten von Stifel.

