Der Elektrotechnikkonzern ABB hat am Dienstag Rekordzahlen präsentiert und den Jahresausblick angehoben - die Aktie brach dennoch um 5 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr. Grund dürfte eine kippende KI-Euphorie sein.
Mit diesem Kursminus waren die Titel von ABB klares Schlusslicht im SMI. Bei einem Tagestief von 69,68 fielen die Titel zeitweise sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 70 Franken. Mit einem Schlusskurs von 70,96 Franken notieren die Valoren so tief wie zuletzt vor sechs Monaten. Vom Allzeithoch von 89,14 Franken Ende Juni hat der Kurs inzwischen gut ein Fünftel eingebüsst. Der Höhenrausch des zweiten Quartals scheint vorerst beendet.
Dabei liest sich das dritte Quartal auf den ersten Blick stark. Wie der Konzern mitteilte, sprang der Auftragseingang um 40 Prozent auf den Rekordwert von gut 12 Milliarden Dollar - deutlich über dem Konsens von 11'358 Millionen. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent, blieb allerdings knapp hinter den Erwartungen zurück, und das operative Ergebnis legte auf über 2 Milliarden Dollar zu, bei einer Marge von 20,8 Prozent.
Dass die Börse trotz erhöhtem Ausblick verkaufte, erklären Beobachterinnen und Beobachter mit Gewinnmitnahmen nach dem Höhenflug - und mit dem Ausverkauf bei KI-nahen Titeln, der ABB als Profiteur des Rechenzentrumsbooms voll traf.
Aus technischer Sicht hat sich das Bild massiv eingetrübt. Die Aktie ist unter ihre Durchschnittslinien der vergangenen Wochen gefallen und die nächste Unterstützung liegt nun weiterhin bei 70 Franken. Sollte diese Zone nicht halten, dürfte der Weg Richtung Frühjahrstiefs in der Region von 62 Franken frei werden. Auf der Oberseite gilt es zunächst, die Kurslücke zum Vortagesschluss von 74,70 Franken zu schliessen. Die Charttechnik lädt zurzeit nicht zur Zuversicht ein.
Fundamental bleibt die Bewertung trotz des Rücksetzers anspruchsvoll. Nach dem Einbruch ermässigt sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf rund 25, nach zuvor fast 34 im Sommer. Die Dividendenrendite bleibt mit rund 1,3 Prozent bescheiden.
Das Analystenbild fällt ebenfalls durchzogen aus. Von 23 Expertinnen und Experten, die zum Konsens beisteuerten, empfehlen drei zum Kauf, 19 zum Halten und einer zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei 81,68 Franken, was einem Aufwärtspotenzial von rund 15 Prozent entspricht.
Wie geht es nun weiter? Die nächsten Zahlen legt der Konzern am 28. Januar 2027 vor; bereits im Schlussquartal dürfte die Abspaltung der Robotiksparte über die Bühne gehen. In der Zwischenzeit wird allerdings das Geschehen im KI-Sektor den Aktienkurs weiter bewegen.

