Nach milliardenschwerer Übernahme - Kommt bei Nestlé nun Schwung ins Beteiligungsportfolio?

Nestlé kauft den US-Pharmahersteller Aimmune Therapeutics. Das lassen sich die Westschweizer einiges kosten. Beobachtern zufolge könnten weitere grössere Transaktionen folgen. Die Aktie nimmt Fahrt auf.
31.08.2020 11:48
Von Lorenz Burkhalter
Gilt als ein geschicker Deal-Maker: Nestlé-CEO Mark Schneider bei einem Auftritt am Fortune Global Forum 2019 in Paris.
Gilt als ein geschicker Deal-Maker: Nestlé-CEO Mark Schneider bei einem Auftritt am Fortune Global Forum 2019 in Paris.
Bild: imago images / IP3press

Nestlé gibt ein Übernahmeangebot für den US-Pharmahersteller Aimmune Therapeutics ab. Dafür greift der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey tief in die Tasche und bietet den Aktionären 34,50 Dollar je Aktie in bar. Das entspricht einem satten Aufschlag von 174 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Das Angebot bewertet den Spezialisten für Therapien zur Behandlung lebensbedrohlicher Lebensmittelallergien mit 2,6 Milliarden Dollar.

In Analystenkreisen kommt der Firmenkauf gut an, soll dieser bei Nestlé doch schon ab 2021 zum organischen Umsatzwachstum und ab 2022/23 zum Gewinn beitragen.

Übernahme mit überblickbaren Risiken

Die Nestlé-Aktie nimmt denn auch Fahrt auf. Zur Stunde gewinnt sie 0,9 Prozent auf 109,84 Franken.

Für Vontobel ist die vollständige Übernahme von Aimmune Therapeutics nach dem Kauf der kanadischen Atrium von vor wenigen Jahren ein wichtiger Meilenstein im Bereich Health Sciences. Da Nestlé bereits strategisch an Aimmune beteiligt gewesen sei, kenne das Unternehmen den Pharmahersteller in- und auswendig. Vontobel stuft die Nestlé-Aktie mit "Buy" und einem Kursziel von 120 Franken ein.

Ähnlich äussert sich die Zürcher Kantonalbank. Auch sie weist darauf hin, dass Nestlé den Pharmahersteller bereits sehr gut kennt, was die Risiken der Übernahme limitiert. Nach mehreren Devestitionen sei dies die erste wieder leicht grössere Akquisition, so schreibt die Zürcher Kantonalbank weiter und hält am "Übergewichten" lautenden Anlageurteil fest.

Aktie ein Liebling der Banken

Die Übernahme von Aimmune Therapeutics sei der erste milliardenschwere Firmenkauf von Nestlé in diesem Jahr, so verlautet aus den Handelsräumen hiesiger Banken. Beobachter schliessen nicht aus, dass nun wieder Bewegung ins Beteiligungsportfolio der Westschweizer kommt und weitere Veränderungen anstehen. Unter anderem erhofft man sich einen baldigen Durchbruch beim Verkauf des Massen-Geschäfts mit Tafelwasser in den USA. Erst am Freitag stiess der Nahrungsmittelkonzern das Wassergeschäft in China ab (cash berichtete).

Von weiteren Umstellungen im Beteiligungsportfolio könnten auch für die Nestlé-Aktie Impulse ausgehen. Schon seit Wochen bewegt sich diese nämlich in einem engen Kursband zwischen 107 und 112 Franken. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein eher mageres Plus von knapp 4 Prozent. Und das, obwohl Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge nicht weniger als 16 von 26 Banken die Aktie zum Kauf empfehlen. Dem steht gerade mal eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Das höchste Kursziel haben mit 123 Franken J.P. Morgan und Société Générale ausstehend.