Nach Thomas-Cook-Pleite - Reiseanbieter TUI will Flugzeugflotte vergrössern

TUI unternimmt erste Schritte, um der steigenden Nachfrage nach Urlaubsangeboten nach dem Zusammenbruch von Thomas Cook Group zu begegnen.
28.09.2019 20:21
Die TUI Konzernzentrale an der Karl-Wiechert-Allee in Hannover.
Die TUI Konzernzentrale an der Karl-Wiechert-Allee in Hannover.
Bild: © 2017 TUI Group

Der Reiseveranstalter will Leasingverträge für einige Flugzeuge verlängern, die eigentlich in der nun beginnenden schwächeren Winterperiode nicht gebraucht würden, sagte Vorstandschef Fritz Joussen in einem Interview.

“Wir verlängern einige Mietverträge, die andernfalls auslaufen würden, da wir glauben, dass nach Thomas Cook zusätzlicher Kapazitätsbedarf besteht”, sagte Joussen telefonisch. Der Ausfall des britischen Rivalen bringe “erhebliche Chancen” für die verbleibenden Akteure mit sich, insbesondere in Grossbritannien, so Joussen.

Der Zusammenbruch von Thomas Cook dürfte Millionen Kunden dazu bringen, sich nach Alternativen für die Urlaubsplanung umzuschauen. Sowohl die Fluggesellschaft als auch die Reiseveranstalter des Unternehmens im Vereinigten Königreich werden liquidiert, und am Mittwoch meldete auch Thomas Cooks deutscher Reiseveranstalter mit den Marken Neckermann, Öger und Bucher Insolvenz an.

Sommersaison im «Einklang mit Erwartungen»

TUI hat bereits Flugzeuge hinzugeleast, nachdem der Flugzeugtyp 737 Max von Boeing nach zwei tödlichen Unfällen am Boden bleiben musste. 15 davon hat TUI in seiner Flotte und es hätten inzwischen noch deutlich mehr sein sollen.

Die aktuelle Sommersaison bei TUI gehe “im Einklang mit den Erwartungen zu Ende“, so das Unternehmen. Das Modell von TUI, die anders als Thomas Cook viele Hotels und Kreuzfahrtschiffe selbst besitzt, sei robust.

Joussen schränkte jedoch ein, der Markt sei “immer noch nicht dort, wo er sein sollte”, da die Tourismusbranche unter dem langsamen Wirtschaftswachstum, steigenden Ölpreisen, dem starker Dollar und der Unsicherheit infolge des Brexit leide.

«Wer sich ändert, wird erfolgreich sein»

Auf die Frage, was das Scheitern von Thomas Cook über die Branche aussage, sagte er: “Wer sich ändert, wird erfolgreich sein, wer nicht, der nicht”. Der europäische Markt leide immer noch unter zu hohen Flugkapazitäten, und TUI müsse daher Vorsicht walten lassen.

Für Condor habe TUI nicht geboten, so Joussen. Der Ferienflieger hatte am Vorabend von der Bundesregierung die Zusage für einen Überbrückungskredit mit einer Gültigkeit von sechs Monaten erhalten. Damit kann Condor nun ohne grossen Zeitdruck einen Käufer suchen.

Joussen ist derweil zuversichtlich, dass die Boeing 737 Max noch dieses Jahr wieder in den Dienst gestellt wird.

(Bloomberg)

 
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