Nachfrage nach Aktien steigt bei Milliardären

Was charakterisiert Milliardäre? Wie viel haben sie auf der hohen Kante? Und wie legen sie es an? Joe Stadler, Leiter der Sparte für ultrareiche Kunden bei der UBS, nimmt im cash-Video-Interview Stellung.
26.05.2015 15:21
Von Daniel Hügli
Joe Stadler ist Leiter «Global Ultra High Net Worth» bei UBS Wealth Management.
Bild: cash

Was unterscheidet einen Bill Gates, mit 86 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt, oder einen Ernesto Bertarelli, der mit 16 Milliarden Dollar Vermögen Platz 53 der weltweit reichsten Leute einnimmt, von Leuten mit "normalen" Vermögensverhältnissen? "Wenn ein Milliardär einmal ein Ziel hat, verhält er sich wie ein Kampfpilot. Er fliegt dem Ziel hinterher, gibt Vollgas, schaut weder nach links oder nach rechts, er ist total fokussiert". Und: "Rückfälle um Unfälle sind Teile seines Geschäftsmodells. Er lernt davon und passt sein Geschäftsmodell entsprechend an."

Das sagt einer, der es wissen muss: Joe Stadler ist seit April 2009 Chef der Sparte "Ultra High Net Worth"-Kunden bei der UBS, also dem obersten Segment der Vermögensverwaltungssparte, welche für die UBS immer wichtiger wird. Betreut wird hier, wer mindestens 50 Millionen Franken investieren kann oder ein Nettovermögen von 100 Millionen Franken hat. Also eine Milliarde durch zehn.

Stadler war am Dienstag einer der Präsentatoren der ersten Studie "Billionaires Report" der UBS und des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhousecoopers (PWC). Darin wurde untersucht, wie Milliardäre ihr Vermögen aufgebaut haben und wie sie es erhalten. Die Untersuchung erstreckte sich auf 1300 Milliardäre und basiert auf Daten von 1995 bis 2014. Die Schweiz zählte im letzten Jahr laut einer anderen Studie der UBS 86 Milliardäre.

Stadler widerspricht im cash-Video-Interview gleich dem landläufigen Vorurteil, viele Milliardäre seien reich durch Erbschaften geworden. "In den letzten 20 Jahren sind rund 3600 Milliarden Dollar an Wert generiert worden von so genannten Self-Made-Milliardären. Darunter sind mitunter Leute, die mit null Vermögen begonnen haben." Laut Erhebungen ruhen sich weniger als 20 Prozent der Milliardäre nur auf einer Erbschaft aus.

Asien Hort der Self-Made-Milliardäre

Als typischer Self-Made-Milliardär gilt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Die Milliardäre, die ihr Vermögen selbst erschaffen haben, stammen heute aber vor allem aus dem asiatischen Raum - etwa Alibaba-Gründer Jack Ma. 25 Prozent der asiatischen Milliardäre wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Dies trifft nur auf 8 Prozent der Milliardäre in den USA und 6 Prozent der Milliardäre in Europa zu. Asiatische Milliardäre sind mit einem Durchschnittsalter von 57 Jahren in der Regel auch um zehn Jahre jünger als Milliardäre in Europa und in den USA. 

Die Studie von UBS und PWC zeigt weiter, dass Milliardäre in Europa mit einem durchschnittlichen Vermögen von 5,7 Milliarden Dollar mehr Geld auf der Seite haben als amerikanische (4,5 Milliarden Dollar Vermögen im Schnitt) und asiatische Milliardäre (3,2 Milliarden Dollar)Viele der Vermögen in Europa und Asien, die in den letzten 20 Jahren verdient worden waren, haben ihren Ursprung in der Konsumgüterindustrie, nämlich 50 Prozent in Europa und 20 Prozent in Asien. Dagegen haben in den USA die meisten Self-Made-Milliardäre ihr Vermögen in der Finanzbranche gemacht (30 Prozent).

Milliardäre haben weniger Angst

Die Tiefzinspolitik und den allgemeinen Anlagenotstand, verursacht durch die Geldpolitik der Notenbanken weltweit, verunsichert Milliardäre weniger als "Normalverdienende": "Sehr vermögende Leute haben weniger Angst als andere. Sie nehmen zwar grosse Risiken, sind aber risikobewusster", beurteilt Stadler gegenüber cash das Anlageverhalten der Super-Reichen. Die Nachfrage nach Aktien durch Milliardäre habe zugenommen, als die Börsen in den USA "dem Rest der Welt davongerannt" seien. Die Aktien-Nachfrage in den USA sei nun aber etwas am Abnehmen, "dafür nimmt sie in Europa und Asien zu." Es entstehen laut Stadler viele private Deals unter Milliardären, "welche in der Öffentlichkeit vielfach gar nicht bekannt werden." 

Das Vermögensverwaltungsgeschäft mit sehr vermögenden Kunden ist bekanntermassen das gewinnträchtigste und am schnellsten wachsende für die Private-Banking-Branche. Das Geschäft des Wealth Management basiert einerseits auf dem Wachstum der betreuten Kundenvermögen, für welche die Banken Gebühren verrechnen, aber auch auf dem Neugeldzufluss von Kundenseite. Die UBS verzeichnet in der Sparte "Ultra High Net Worth" ein Kosten-Aufwand-Verhältnis von unter 50. Etliche Banken mit tieferen Kundeneinlagen weisen Cost-to-Income-Ratios von 80 auf. Die UBS-Sparte für Super-Reiche verwaltet rund 500 Milliarden Franken und beschäftigt etwa 800 Kundenberater.

Im cash-Video-Interview äussert sich Joe Stadler auch zur Zukunft des Private-Banking-Standortes Schweiz und zu Meinungen, welche vermögende UBS-Kunden zur Erbschaftssteuerinitiative äussern.