Nebenwirkungen - Novartis plagen Probleme bei Milliarden-Medikament

Novartis verspricht sich mit dem Augenmedikament Beovu Milliardenumsätze. Nun häufen sich allerdings Berichte über schwere Nebenwirkungen. Ein bekannter US-Broker spricht Klartext, der Kurs der Aktie fällt weiter.
25.02.2020 11:55
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz von Novartis in Basel.
Der Hauptsitz von Novartis in Basel.
Bild: cash

Mediziner feiern das von Novartis entwickelte Augenmedikament Beovu als ein Durchbruch, lässt sich mit dem Präparat doch endlich auch die feuchte Form der altersbedingten Makuladegeneration behandeln. Analysten gehen davon aus, dass der Basler Pharmakonzern schon in wenigen Jahren bis zu 4 Milliarden Dollar mit Beovu umsetzt - jährlich, versteht sich.

In den USA erhielt Beovu im vierten Quartal letzten Jahres die Marktzulassung, in Europa erst vor gut einer Woche. Die regulatorischen Mühlen auf dem alten Kontinent mahlen üblicherweise etwas langsamer als jene in Übersee.

Nun wird das Augenmedikament allerdings in Verbindung mit Nebenwirkungen gebracht. Über das Wochenende meldete die American Society of Retina Specialists, kurz ASRS, bei mehreren Patienten von schweren Entzündungen der Augen-Blutgefässe.

Folglich knüpft die Novartis-Aktie an die Kursverluste vom Vortag an. Zur Stunde verliert sie 3,6 Prozent auf etwas mehr als 88 Franken.

Ein bekannter US-Broker spricht Klartext

Wie die UBS schreibt, kommen die Berichte rund um Nebenwirkungen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Grossbank spielt damit auf den Markteintritt Beovus in den USA an. Erhebungen der UBS zufolge denken viele der dortigen Augenmediziner, dass Beovu ein leicht schlechteres Nebenwirkungsprofil als das Konkurrenzpräparat Eylea aufweist. Das könnte sich als kommerzieller Nachteil erweisen und das Umsatzpotenzial schmälern. Dennoch stuft die Grossbank die Novartis-Aktie weiterhin mit Neutral und einem 12-Monats-Kursziel von 95 Franken ein.

Nicht so der bekannte US-Broker Guggenheim: Aus seiner Sicht könnten die beobachteten Nebenwirkungen bei Beovu zu einem Spielverderber für Novartis werden. Deshalb reduziert Guggenheim das Anlageurteil von "Buy" auf "Neutral" und errechnet neu einen fairen Wert von 98 (zuvor 104) Franken für die Aktie. Der US-Broker streicht seine Schätzungen für den Spitzenumsatz mit Beovu von 3,6 Milliarden Dollar jährlich auf gerade mal noch 360 Millionen Dollar zusammen.

Auch die Bank Vontobel zeigt sich überrascht von den Nebenwirkungen. Solche seien in den klinischen Studien nicht zu beobachten gewesen, so gibt sie zu bedenken. Die Zürcher Bank kürzt ihre Umsatzschätzungen für Beovu von 2 auf 1,1 Milliarden Dollar jährlich. Dadurch reduziert sich das Kursziel für die mit "Hold" eingestufte Novartis-Aktie auf 88 (zuvor 90) Franken.

Wie die Zürcher Kantonalbank ergänt, macht Novartis diesmal alles richtig. Sofort nach Unterrichtung durch die ASRS hätten die Basler die US-Gesundheitsbehörde FDA und auch andere Gesundheitsbehörden weltweit über die Nebenwirkungen informiert. Damit habe Novartis alles getan, was überhaupt möglich sei. Die Zürcher Kantonalbank rechnet zwar mit einer Überarbeitung der Packungsbeilage, nicht aber mit zukünftigen Restriktionen. Sie hält deshalb an ihren Umsatzschätzungen für Beovu sowie am "Übergewichten" lautenden Anlageurteil fest.