Negativer Währungseffekt - Sparbemühungen retten LafargeHolcim das Schlussquartal - Aktie dennoch tiefer

LafargeHolcim kehrt im Schlussquartal überraschend auf den Wachstumspfad zurück. Während die Fortschritte bei den Kosten gut ankommen, lässt sich dasselbe vom diesjährigen Gewinnziel nur bedingt behaupten.
26.02.2021 10:37
Von Lorenz Burkhalter
Der neue LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch.
Der neue LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch.
Bild: ZVG

Der Baustoffhersteller LafargeHolcim blickt auf ein schwieriges Schlussquartal zurück. Die negative Wechselkursentwicklung belastet den Umsatz im Jahresvergleich mit gut 10 Prozent, den wiederkehrenden Betriebsgewinn (EBIT) sogar mit fast 13 Prozent.

Nur dank rigorosen Sparbemühungen ist es dem Weltmarktführer aus Jona mit einem wiederkehrenden Betriebsgewinn in Höhe von 1,04 Milliarden Franken möglich, die bei 972 Millionen Franken liegenden Analystenschätzungen zu übertreffen. Gut kommt auch der rekordhohe freie Cashflow an. Dieser ist deutlichen Fortschritten beim Umlaufvermögen geschuldet.

Überschattet wird das Ganze allerdings von eher vorsichtigen Gewinnvorgaben für dieses Jahr. Das Unternehmen geht von einem eher etwas enttäuschenden Wachstum beim wiederkehrenden Betriebsgewinn (EBIT) von mindestens 7 Prozent aus.

Bei den Schätzungen leichten Revisionsbedarf nach oben

Folglich kann sich die LafargeHolcim-Aktie den negativen Vorgaben aus New York nicht ganz entziehen. Nach einem frühen Rücksetzer auf 50,24 Franken verliert sie zur Stunde noch 1,1 Prozent auf 50,90 Franken.

Morgan Stanley beurteilt den vorliegenden Zahlenkranz als solide und gewinnt insbesondere den Fortschritten beim freien Cashflow positive Aspekte ab. Versöhnliche Worte findet die US-Investmentbank für die zukunftsgerichteten Aussagen. Diese bewegen sich ihres Erachtens im Rahmen der Erwartungen. Morgan Stanley preist die LafargeHolcim-Aktie mit "Overweight" und einem Kursziel von 63 Franken an.

Wie die Zürcher Kantonalbank schreibt, blickt LafargeHolcim nach einem stark beeinträchtigten ersten Halbjahr auf eine erfreuliche zweite Jahreshälfte zurück. Der Ausblick für 2021 sei zuversichtlich. Vom erwarteten globalen Ausbau stark wachsender Bereiche und der Beschleunigung bei ergänzenden Übernahmen verspricht sich die Zürcher Bank zusätzliches Wachstumspotenzial. Sie stuft die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" ein und sieht bei ihren Schätzungen leichten Revisionsbedarf nach oben.

Steigende Dollar-Zinsen sollte der Aktie Auftrieb verleihen

Vontobel begrüsst hingegen, dass LafargeHolcim trotz kräftigem währungsseitigem Gegenwind im Schlussquartal zu einem positiven Gewinnwachstum zurückgefunden hat. Vom rekordhohen freien Cashflow zeigt sich die Zürcher Bank gar beeindruckt und fühlt sich davon in ihrer Kaufempfehlung sowie im Kursziel von 60 Franken bestärkt.

Alleine seit Montag stieg der Aktienkurs von LafargeHolcim um fast 4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Januar. Händlern zufolge verliehen zuletzt insbesondere die steigenden Zinsen in New York dem Baustoffhersteller an der Börse Rückenwind. Denn die Aktie zählt zu den Substanzwerten. Und diese profitieren bekanntlich von steigenden Zinsen.

LafargeHolcim gilt als Liebling der Banken und ihrer Analysten. Wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zeigen, empfehlen nicht weniger als 19 von 21 Banken die Aktie des Weltmarktführers zum Kauf. Das höchste Kursziel hat mit 67 Franken die Deutsche Bank ausstehend. Sie traut der Aktie aus heutiger Sicht einen weiteren Anstieg um fast 30 Prozent zu. Der Durchschnitt aller Kursziele liegt rund 10 Franken unter den genannten 67 Franken.