«Negativzins muss bei Kunden ankommen»

Die Zürcher Kantonalbank konnte 2015 ihren Gewinn steigern. Im Video-Interview mit cash sagt CEO Martin Scholl, welches die Treiber für das Ergebnis waren und wie die Bank mit Negativzinsen umgeht.
12.02.2016 14:50
Von Pascal Züger
Martin Scholl, Vorsitzender der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank.
Bild: cash

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat im Geschäftsjahr 2015 vor allem wegen der Swisscanto-Übernahme und einem starken Handelsgeschäft Erträge und Gewinn deutlich gesteigert. Dank der Integration des per Anfang April 2015 übernommenen Asset Managers sieht die ZKB ihre Erträge noch breiter abgestützt.

Doch Behauptungen, das positive Ergebnis sei nur durch den Swisscanto Kauf "ermogelt" worden, lässt ZKB-CEO Martin Scholl nicht gelten, wie er im cash-Video-Interview sagt: "Wir konnten den Gewinn um 12 Prozent steigern, ohne Wenn und Aber." Die Gewinnsteigerung habe mit dem Zinsgeschäft, dem Handel, aber natürlich auch mit Swisscanto zu tun. Dass Swisscanto stark zum Gewinn beigetragen hat, "ist aber auch richtig, denn wir haben schliesslich für die Übernahme Geld bezahlt."

Swisscanto war einst der gemeinsame Fondsanbieter der Kantonalbanken. Die ZKB bekam den Zuschlag für den Kauf. Sie zahlte für die etwas mehr als 80 Prozent der Aktien, die ihr bislang nicht gehörten, einen Kaufpreis von rund 360 Millionen Franken. Seit 1. April 2015 ist Swisscanto bei der ZKB voll integriert.

Hohe Negativzinsen fallen an

Die ZKB ist besonders stark von der Einführung der Negativzinsen von minus 0,75 Prozent durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) betroffen. Zum einen, weil die Zürcher Bank als systemrelevant gilt und so mehr Gelder bei der SNB hinterlegen muss. zum anderen kann die ZKB zur Geldhinterlegung auch nicht - wie dies andere international ausgerichtete Banken tun -  auf ausländische Notenbanken ausweichen.

"Bei uns fällt auf einen Betrag von ungefähr 10 Milliarden Franken Negativzinsen an", so Scholl. "Damit ergeben sich dann 75 Millionen Franken an Negativzinsen, die wir bezahlen müssen." Man sei damit die Universalbank, die am stärksten vom Negativzins betroffen sei.

Dass die Negativzinsen gleich an die Endkunden weiterverrechnet werden, verheimlicht der ZKB-Chef nicht: "Geldpolitik entfaltet nur ihre Wirkung, wenn sie auch bei den Kunden ankommt", sagt Scholl. Betroffen seien vor allem Kunden, die Liquidität in grossem Stile bei der ZKB haben. "Das sind grosse Pensionskassen, die öffentliche Hand, Versicherungen und andere Firmen."

Werden die Negativzinsen noch weiter erhöht?

Vor rund zwei Wochen zeigte sich Andreas Ruhlmann, Marktanalyst bei der IG Bank, in einem Interview mit cash überzeugt, dass die SNB den Negativzins noch in diesem Jahr auf minus 1,0 oder gar minus 1,25 Prozent senken müsse. Er begründete dies damit, dass ein Druck bestehe, Zinsdifferenzen zu halten. Allen voran zum Euro, aber auch zum japanischen Yen, wo vor Kurzem zum ersten Mal überhaupt Negativzinsen eingeführt wurden.

"Ob eine Senkung der Negativzinsen eintrifft oder nicht, hängt primär von der Entwicklung des europäischen Umfelds ab", sagt Scholl dazu. Eine Verschlechterung könne die Nationalbank dann dazu zwingen, die Negativzinsen tatsächlich zu erhöhen. Solche Spekulationen seien ihm jedoch neu.

Für das Geschäftsjahr 2016 rechnet die ZKB so oder so mit einem anhaltend anspruchsvollen Umfeld. Man zeigt sich dennoch zuversichtlich, auch im laufenden Geschäftsjahr ein ansprechendes Ergebnis zu erwirtschaften.

Hauptpfeiler wird weiterhin das Zinsgeschäft bleiben, auch wenn in den letzten Jahren zusätzlich das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zunehmend an Bedeutung gewann und nun rund einen Drittel des Ertrags ausmacht - nicht zuletzt dank der Swisscanto-Übernahme. Aber letzten Endes wolle man "auf zwei oder drei ungefähr gleich starken Beinen stehen", so Scholl. Neben den beiden genannten Pfeilern kommt noch das Handelsgeschäft hinzu, welches jedoch immer ein bisschen kleiner sein werde als die restlichen beiden.

Ausserdem verrät CEO Martin Scholl im Video-Interview mit cash, ob aufgrund der Swisscanto-Übernahme ein weiterer Stellenabbau geplant ist und was der Stand im Steuerstreit mit den USA ist.

(Mit Material von SDA)