Negativzinsen für Sparkonten? Jeder vierte Schweizer zieht Geld ab

Eine Umfrage kommt zum Schluss: Jeder vierte Schweizer würde sein Geld abheben, wenn Banken Strafzinsen auf Sparkonten einführten. Dieser Wert ist im Vergleich zu anderen Umfragen im Ausland relativ tief.
01.11.2016 09:23
Von Daniel Hügli
Läuft die Zeit für Sparkonten bald ab?
Läuft die Zeit für Sparkonten bald ab?
Bild: pixabay.com

Der Finanzdienstleister Moneypark hat erstmals für die Schweiz in einer repräsentativen Umfrage untersucht, wie Sparer reagieren, wenn Banken Negativzinsen für die Schweiz einführten. Jeder vierte Befragte würde demnach sein Erspartes abheben und Stattdessen mehr Bargeld halten.

Nur 4 Prozent der Befragten gab an, das Ersparte auch bei einer negativen Verzinsung noch auf dem Konto zu belassen. Neben dem Bargeldhorten erwägen die befragten Personen auch Investitionen in die eigene Vorsorge, in Immobilien oder Wertschriften (jeweils 15 Prozent). Etwas weniger als 10 Prozent gab an, das Geld ausgeben zu wollen. Befragt wurden 1013 Personen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz während einer Woche Ende September. 

Unrealistisch ist die Einführung von Negativzinsen für Sparer in der Schweiz nicht. Unmittelbar nach der Negativzins-Einführung für Giroguthaben von Banken bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Mitte Januar 2015 hatten Banken noch beteuert, dass Privatanleger keinen Strafzins bezahlen müssten. Doch bereits seit Anfang Jahr gibt die Alternative Bank den Negativzins nun an die Kleinkunden weiter, und im Verlauf des Jahres schlossen die Chefs der Migros Bank, Raiffeisen oder UBS eine Einführung von Strafzinsen nicht aus.

Dass rund ein Viertel der Schweizer ihr Geld bei Negativzinsen abheben würden, ist international gesehen ein relativ tiefer Wert. GfK, das grösste Marktforschungsinstitut Deutschlands und auch Autorin der neuen Schweizer Moneypark-Umfrage, kam in einer Studie vom April 2016 zum Schluss, dass bei Minuszinsen auf Bankkonten rund 50 Prozent aller Deutschen ihr Geld in bar halten würden, 40 Prozent stattdessen ihr Geld in Aktien, Fonds oder Devisen anlegen würden und nur rund 10 Prozent ihr Konto unverändert stehen liessen.

Eine andere Studie der ING-Bank rechnet damit, dass in Europa in einem solchen Fall ungefähr drei Viertel aller Personen ihr Geld vom Sparkonto abheben würden, während die restlichen Befragten nichts tun oder gar noch mehr sparen würden.

Der Unterschied zu den Resultaten aus der Schweiz mag darin liegen, dass die Beträge auf Schweizer Konten grösser sind als im Ausland und als Bargeld nicht so einfach aufzubewahren wären. Schweizer halten eventuell auch eine grössere Treue zu ihrer Bank und ihrem Bankkonto als Bankkunden in den Nachbarländern.