Die Nestlé-Titel verlieren um 10.00 Uhr 6,2 Prozent auf 80,83 Franken, im Tief sind sie sogar leicht unter 80 Franken gefallen. Als rote Laterne zieht das Schwergewicht auch den Leitindex SMI nach unten, der 1,4 Prozent im Minus steht. Zuletzt hatten die defensiven Nestlé-Papiere noch deutlich Boden gut gemacht und sich von der Schwächephase des Vorjahres erholt.
Als möglichen Wermutstropfen machen Analysten die Profitabilität aus. So weist die UBS auf einen Sondereffekt hin, der zur Verbesserung der operativen Marge beigetragen hat: Änderungen im Zusammenhang mit einem Pensionsplan steuerten nämlich 30 Basispunkte bei. Ohne diesen Effekt wäre die Marge also insgesamt um 40 Basispunkte gesunken.
Auch der Ausblick für die Marge präsentiert sich etwas vorsichtiger. Neu soll die Marge im zweiten Halbjahr auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten liegen und nicht mehr darüber. Dies könne kurzfristig orientierte Aktionäre enttäuschen, vermutet die ZKB.
Dabei meistere Nestlé den Balance-Akt zwischen Wachstumsbeschleunigung und Kostenkontrolle gut, meint Analyst Gian Marco Werro. Dies sieht auch Vontobel-Kollege Jean-Philippe Bertschy so: Die Kosteneinsparungen griffen und der Cashflow verbessere sich materiell, obwohl zugleich auch die Marketingkosten erhöht worden seien. Das zeige, dass Nestlé ins Wachstum investieren und zugleich auf die Profitabilität und den Cashflow achtgeben könne.
Den Teilverkauf des Wasser-Geschäfts beurteilen Analysten als erfreulich, habe das lange Warten auf Neuigkeiten doch endlich ein Ende. Mit umgerechnet 2,8 Milliarden Franken bewege sich der Erlös im Rahmen der von Experten zuvor genannten Grössenordnung. Dasselbe gelte daher auch für die angekündigten Abschreibungen in Höhe von 1,3 Milliarden Franken.
Operative Fortschritte bei Kostenkontrolle
Im zweiten Quartal zogen die Verkaufsmengen von Nestlé um 1,8 Prozent an, wie der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat am Donnerstag mitteilte. Im Vorquartal hatten die Volumen um 1,2 Prozent zugelegt. Dazu kamen Preiserhöhungen von 1,9 Prozent, sodass sich das organische Wachstum auf insgesamt 3,7 Prozent belief.
Mit Währungs-Gegenwind stieg der Umsatz leicht auf 21,8 Milliarden Franken. Analysten hatten einer vom Unternehmen selbst erhobenen Umfrage zufolge mit einem Umsatz von 21,7 Milliarden Franken und einem organischen Wachstum von 3,6 Prozent gerechnet.
Über das gesamte erste Halbjahr erzielte Nestlé von Januar bis Juni damit ein organisches Wachstum von 3,6 Prozent. Das RIG verbesserte sich auf 1,5 Prozent. Der Preisbeitrag lag bei 2,1 Prozent. Von AWP befragte Analysten hatten beim organischen Wachstum mit den 3,6 Prozent gerechnet.
Der ausgewiesene Umsatz sank wegen negativer Währungseffekte leicht auf 43,109 Milliarden Franken. Diese Kennzahl ist für Anleger allerdings zweitrangig, da sie auch durch Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen beeinflusst wird.
Nachhaltiges Wachstum bleibt im Fokus
Die Entwicklung der Absatzmengen gilt als wichtiger Gradmesser für die operative Erholung des Konzerns. Nach mehreren Jahren, in denen das Wachstum stagnierte und vor allem von Preiserhöhungen getragen wurde, erklärte der seit September 2025 amtierende CEO Philipp Navratil nachhaltiges Mengenwachstum zur obersten Maxime. Mit den Zahlen erfüllte Nestlé die Erwartungen der Analysten.
«Das Wachstum in den aufstrebenden Märkten hat sich beschleunigt», erklärte Navratil. «In den Industrieländern konnten wir wiederum eine solide Performance erzielen.»
Im Gesamtjahr 2026 solle das organische Wachstum voraussichtlich im Bereich von drei bis vier Prozent liegen. Die operative Ergebnismarge solle gemessen an den 16,1 Prozent von 2025 zulegen.
Im Halbjahr sank der Nettogewinn infolge höherer Restrukturierungskosten und Abschreibungen auf zu verkaufende Vermögenswerte um 31,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken.
Nestlé kündigte zudem an, sein Wassergeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Platinum Equity einzubringen. Das 50:50-Joint Venture Peranel solle mehr als 30 Marken und Produkte umfassen, die in 120 Ländern verkauft würden. Dazu gehören bekannte Mineralwassermarken wie S.Pellegrino, Perrier und Acqua Panna.
Die Transaktion bewerte Peranel mit einem Unternehmenswert von 4,9 Milliarden Euro. Daraus ergebe sich bei Abschluss der Transaktion ein Mittelzufluss für Nestlé von rund drei Milliarden Euro. Der Abschluss werde voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 erfolgen.
Navratil ist dabei, das Geschäft auf die vier Bereiche Kaffee, Produkte für Heimtiere und Nutrition sowie regionale Kulinarikprodukte und Snacks zu fokussieren. Das verbleibende Speiseeisgeschäft soll an den Haagen-Dazs-Besitzer Froneri verkauft werden. Zudem suche Nestle nach Käufern für das Geschäft mit günstigen Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln sowie für die Kaffeekette Blue Bottle Coffee.
(Reuters/AWP/cash)
