Der weltgrösste Nahrungsmittelproduzent Nestlé hat 2025 sein Wachstum aus eigener Kraft wieder beschleunigen können. CEO Philipp Navratil will mit einer neuen Strategie noch mehr aufs Tempo drücken.

Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe ausgeklammert betrug das organische Wachstum 3,5 Prozent nach 2,2 Prozent im Jahr zuvor, wie der Hersteller von Nespresso-Kaffee, Kitkat-Schokoriegeln und Purina-Tierfutter am Donnerstag mitteilte. Dieses ging vor allem auf Preisanpassungen von 2,8 Prozent zurück. Das Mengenwachstum (RIG) blieb im Umfeld einer gedämpften Konsumlust stabil bei 0,8 Prozent.

Im vierten Quartal belief sich das organische Wachstum auf 4,0 Prozent nach 4,3 Prozent im dritten Quartal. Der grossangelegte Rückruf von Babynahrung in gegen 60 Ländern wegen einer giftigen Zutat erfolgte weitgehend erst Anfang 2026 und hatte darum keinen Effekt auf die Zahlen von 2025.

Der Umsatz ging im Gesamtjahr um 2,0 Prozent auf 89,49 Milliarden Franken zurück. Hintergrund waren vor allem die Dollarschwäche respektive der starke Franken.

Vom Umsatz blieben 16,1 Prozent als Betriebsgewinn übrig, nach 17,2 Prozent im Vorjahr. Auf die Marge drückten unter anderem Investitionen für Wachstum, US-Zölle, Wechselkurseffekte und höhere Rohstoffkosten für Kaffee und Kakao. Der Reingewinn ging leicht auf 9,03 Milliarden Franken zurück, ein Minus von 17 Prozent. Erwartet hatten Analysten hier rund 10,1 Milliarden Franken.

Mit den Jahreszahlen hat Nesté die Analystenerwartungen beim organischen Wachstum und beim RIG übertroffen (Prognose: organisches Wachstum um 3,3 Prozent / RIG plus 0,7 Prozent). Beim Reingewinn blieb der Lebensmittelkonzern unter den Prognosen. Die gingen von 10,1 Milliarden Franken aus.

Die Aktie von Nestlé steigt im vorbörslichen Handel um 2,8 Prozent. Der Titel hatte seit dem Rekordhoch im Jahr bisweilen 40 Prozent verloren.

«Das Zahlenset 2025 und die Guidance 2026 dürften etwas mehr Zuversicht geben», schreibt die Zürcher Kantonalbank. Die Bank habe in ihrer Vorschau Mitte Januar geschrieben, dass viele institutionelle Investoren bei Nestlé noch vorsichtig positioniert seien, weshalb es wenig brauche für eine Kursgegenbewegung. Unterstützend sei auch die attraktive Dividendenrendite von 4 Prozent. Der faire Wert der Aktie liege bei 102 Franken. 

Dividende steigt zum 30. Mal in Folge

Trotz hohem Schuldenberg hält der Konzern an seiner Dividendenpolitik fest: Die Auszahlung steigt zum 30. Mal in Folge, und zwar auf 3,10 Franken je Aktie nach 3,05 Franken im Jahr davor.

Für künftig wieder stärkeres Wachstum schärft der seit gut fünf Monaten amtierende CEO Navratil die Konzernstrategie. Demnach richtet Nestlé seinen Fokus wie erwartet stärker auf die vier Sparten Kaffee, Heimtierprodukte und Nutrition, die zusammen rund 70 Prozent des Umsatzes ausmachen, sowie auf Kulinarikprodukte und Snacks aus.

Nutrition und Nestlé Health Science werden zu einem gemeinsamen Geschäft zusammengeführt, um die Marktstellung zu stärken und Synergien zu nutzen. Im Bereich Kulinarik und Snacks will der Konzern das Portfolio weiter straffen und Marken reduzieren. Dazu zählen auch fortgeschrittene Verhandlungen über den Verkauf des verbleibenden Speiseeisgeschäfts an Froneri. Für Nestlé Waters & Premium Beverages habe Nestle im ersten Quartal 2026 mit der formellen Kontaktaufnahme ‌mit potenziellen Partnern begonnen. Das Geschäft dürfte ab ​2027 entkonsolidiert werden. 

Beim Ausblick bleibt das Management wegen des schwierigen Umfelds wie erwartet vorsichtig. Nestlé erwartet ein organisches Wachstum von etwa 3 bis 4 Prozent, wobei das interne Realwachstum gegenüber 2025 zunehmen soll; belastend wirken rund 20 Basispunkte aus Produktrückgaben und Bestandslücken nach dem grossen Rückruf von Babynahrung. Die zugrunde liegende operative Marge dürfte sich gegenüber 2025 verbessern und im zweiten Halbjahr anziehen, während der freie Cashflow voraussichtlich über neun Milliarden Franken liegt.

CEO Navratil fokussiert künftig auf vier Geschäftsbereiche

Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé will sich künftig auf vier Kernbereiche konzentrieren: Kaffee, Tierfutter, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks. Ernährung (Nutrition) und Gesundheit (Health Science) werden dabei künftig zu einer Einheit zusammengefasst.

Damit will Nestlé-CEO Philipp Navratil das Geschäft vereinfachen und Synergien freisetzen. Im Zuge dieser Reorganisation verlässt die bisherige Nestlé-Health-Science-Chefin Anna Mohl den Konzern, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte. Die Pläne zur Fokussierung kommen nicht überraschend - entsprechende Absichten waren bereits durchgesickert.

Bislang ist Nestlé primär nach Regionen organisiert - Amerika, Europa und Asien sowie Ozeanien und Afrika - und zusätzlich in sechs sogenannte strategische Geschäftseinheiten gegliedert. Daneben bestehen drei global geführte Sparten, darunter Nespresso, Health Science und das zum Verkauf stehende Wassergeschäft.

Bereits die Vorgänger von Navratil hatten sich an Reorganisationen versucht: Erst hatte Mark Schneider per Anfang 2022 Nordamerika und Grosschina als separate Regionen aus den Zonen Americas bzw. Asien ausgegliedert, dann machte Laurent Freixe per 2025 diesen Schritt wieder rückgängig. Die Geschäftsleitung verkleinerte Freixe von 15 auf 12 Mitglieder. Damals holte er zudem auch Navratil - damals noch Nespresso-Chef - in die Geschäftsleitung.

Mehr Geld für Marketing

Navratil will künftig mehr Geld in Marketing und Innovationen stecken. Das Geld soll aus dem laufenden Sparprogramm kommen. Navratil hatte kurz nach seinem Einstand als CEO im Oktober einen grossen Stellenabbau angekündigt. In den nächsten zwei Jahren ist ein globaler Personalabbau von etwa 16'000 Stellen geplant, was knapp 6 Prozent der knapp 280'000 Nestlé-Stellen entspricht.

Mit dem Stellenabbau sollen bis Ende 2027 jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Franken erzielt werden. 20 Prozent dieser Einsparungen seien bereits erreicht worden, heisst es nun.

Am Vorabend hatte Nestlé bereits Änderungen an den Verwaltungsratsprozessen bekannt gegeben. Zusätzliche Sitzungen etwa sollen das Engagement des Verwaltungsrats erhöhen und mit Anpassungen der Ausschussstrukturen und -verantwortlichkeiten wolle man die Kompetenzen der Mitglieder noch besser nutzen. Das Aufsichtsgremium wird zudem erweitert und erhält mit dem früheren Nationalbank-Präsidenten Thomas Jordan einen prominenten Zugang. Daneben steht auch die P&G-Managerin Fama Francisco zur Wahl.

Nestlé hatte zuletzt einige Turbulenzen durchgemacht, darunter mehrere Wechsel an der Konzernspitze: So hatte Navratil im September 2025 die Leitung von Laurent Freixe übernommen. Dieser war nach nur einem Jahr im Amt über eine firmeninterne Affäre gestolpert. Er selbst hatte Mark Schneider abgelöst, in dessen letzten Amtsjahren der Nestlé-Aktienkurs auf Talfahrt gegangen war. Neben der finanziellen Performance sorgten auch immer wieder Skandale etwa im Wassergeschäft oder zuletzt bei der Babynahrung für Unruhe.

(AWP/cash)