In der zurückliegenden Woche ist der Schweizer Aktienmarkt kaum vom Fleck gekommen. Impulse, die etwa vom SMI-Schwergewicht Novartis ausgingen, haben den Gesamtmarkt zwar angeschoben, aber nicht nachhaltig nach oben gehievt. Auf Wochensicht resultiert ein minimes Plus.

Der Anstieg der Anleiherenditen rückte das Thema Staatsverschuldung in den Vordergrund und der andauernde Krieg im Nahen Osten treibt die Energiepreise. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank in der neuen Woche gilt unter den Marktteilnehmern deswegen als ⁠gesetzt, während der weitere Zinspfad in Europa und den USA ungewiss bleibt.

Das Klima an den Börsen dürfte den Herbst hindurch jedenfalls stürmisch bleiben. Einige Investoren gehen deswegen vorsichtiger vor. «Starke Fundamentaldaten sind an den Aktienmärkten weitgehend eingepreist, während Risiken an Gewicht gewinnen», sagt Peter Reichel, Chief ‌Investment Officer bei ODDO BHF. Sein Haus reduziere deswegen die Aktienquote in den verwalteten Portfolios und gehe zu einer leichten Untergewichtung von Aktien über. Das robuste ‌Gewinnwachstum der Unternehmen und die dynamischen Gewinnerwartungen hätten die Kurse gestützt, «doch auf immer neue positive Gewinnüberraschungen kann man nicht ​dauerhaft bauen», warnt Reichel.

EZB dürfte handeln - was macht die Fed?

Börsianer rechnen angesichts der Inflationsentwicklung fest damit, dass der EZB-Rat am Donnerstag den für die Geldpolitik massgeblichen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anheben wird. Die Notenbank steht als Hüterin der Preisstabilität massiv unter Zugzwang. Infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks hat sich die Inflation mit 3,3 Prozent weit von ihrem Ziel von 2,0 Prozent entfernt. Nach der Zinserhöhung im Juni, der ersten seit fast drei Jahren, muss die EZB wohl nun nachlegen.

Wie sie den Zinspfad darüber hinaus gestalten wird, bleibt für viele Marktteilnehmer unklar. «Es erscheint wenig sinnvoll, in einem Umfeld, in dem die Inflation primär angebotsgetrieben und damit ausserhalb der ‌Einflusszone der Notenbank liegt, die Geldpolitik noch restriktiver zu gestalten», warnt Eckhard Schulte, Chef von MainSky Asset Management. Diese Zinserhöhung könne die Wirtschaft womöglich verkraften, weitere Schritte dürften die zyklische Konjunkturerholung in der Euro-Zone jedoch abwürgen, ergänzt er. Die Strategen der Helaba gehen von einer längeren Handlungspause der EZB aus. «Sie hat bereits viel erreicht, indem sie die Inflationsrisiken früh erkannt und zügig angegangen ist – anders als 2021/22.»

Noch ungewisser als die weitere Zinsentwicklung in der Euro-Zone ist die ​Frage, wie die Federal Reserve in der Woche darauf entscheiden wird. «Nach Kevin Warshs Rede in Jackson Hole wäre es aus meiner Sicht schädlich für das Vertrauen ​in die US-Notenbank, wenn sie dann – selbst gegen den Willen von Donald Trump – Amerikas Leitzinsen nicht anhebt», sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck ​Finck. Ein überraschend stark ausgefallener Stellenaufbau in den USA im August schürte am Freitag Spekulationen auf steigende Zinsen. Unter dem Strich entstanden 162.000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft, Experten hatten nur mit 56.000 Jobs gerechnet.

Wirtschaftsdaten im Blick

Bei den Wirtschaftsdaten werden die ​Anleger zu ​Beginn der neuen Woche vor allem auf die deutsche Industrieproduktion für Juli sowie das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im zweiten Quartal ⁠blicken. In den USA startet die Woche am Montag mit einem Feiertag (Labor Day), an dem die Aktienmärkte geschlossen bleiben. Am Donnerstag stehen ​die Produzentenpreise im Fokus, zum Wochenschluss folgen die ⁠August-Verbraucherpreise und das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen.

Bei den Unternehmen wird Apple zur Wochenmitte seine neuen iPhones präsentieren. Im Fokus bleibt auch die Entwicklung bei Volkswagen, nachdem der Aufsichtsrat den harten Sparkurs des Autobauers durchgewunken hat. ‌Bei der Umsetzung des Sanierungsplans sind weitere Konflikte allerdings programmiert: Die Arbeitnehmervertreter werden ein gewichtiges Wort mitzureden haben, etwa beim geplanten Abbau von 50.000 Stellen.

(Reuters)