Geht es um Unternehmen aus der Konsumgüterbranche, gilt aktuell die Volumenwachstumsleistung als die zentrale Kennzahl. Analysten verwenden den Begriff «RIG», was als Abkürzung für «Real Internal Growth» oder auf Deutsch echtes internes Wachstum oder internes Mengenwachstum steht. 

Diese Fokussierung führt allerdings an den Tagen, an denen die Unternehmen die Zahlen offenlegen, oftmals zu einer hohen Volatilität der einzelnen Aktien. Am Ergebnistag komme es zu extremen Reaktionen bei Übertreffungen oder Verfehlungen beim Volumenwachstum, erläutert Arben Hasanaj von Vontobel.

Der Markt habe zwar recht, sich um das Volumen zu kümmern, meint der Vontobel-Experte. Preise seien aber schliesslich selten ein nachhaltiger Wachstumstreiber, sondern eher ein kurzlebiges Durchreichen der Inflation. Trotzdem sei das Volumenwachstum nur ein Faktor, um das ultimative Ziel der Wertschöpfung zu erreichen. Für ihn ist diese Volumen-Fixierung fehlgeleitet und Hasanaj schlägt deshalb eine Bewertungsmatrix anhand von vier Säulen vor: Nachfragequalität, Margenentwicklung, Cash Conversion und Kapitalallokation.

Mit dem neuen Framework ergeben sich Änderungen an den Ratings bei den Schweizer Konsumgütertiteln. Vontobel bestätigt das «Buy»-Rating von Aryzta, Givaudan und Nestlé und stuft DSM-Firmenich auf «Hold» von «Buy» und Emmi auf «Buy» von «Hold» herauf. 

Givaudan bleibe bei Margen und Cash Conversion erstklassig, müsse aber das zurückbleibende «Taste & Wellbeing» beheben. Da erwartet der Analyst von Vontobel Fortschritte bei den Verkäufen im dritten Quartal des laufenden Jahres, die nächste Woche publiziert werden. Nestlé wiederum bewege sich in die richtige Richtung, aber der operative Umbau werde Zeit in Anspruch nehmen. Das Kursziel für Givaudan bleibt unverändert bei 4100 Franken, jenes von Nestlé bei 90 Franken. 

Die Umsetzung bei Aryzta verdiene mehr Anerkennung, und eine freie Cashflow-Rendite von 12 Prozent preise die Probleme in Deutschland und beim Wachstum mehr als ein, so der Vontobel-Experte. Insgesamt wurde die Anlegerstimmung durch die mangelnde Visibilität und das gedämpfte Wachstum erschüttert, aber dies scheine mehr als widergespiegelt zu sein. Der Gegenwind dürfte beim Wachstum vorerst anhalten, sich aber im 2. Halbjahr 2026 stabilisieren.

Dagegen sollten sich beim Backwarenhersteller der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und der freie Cashflow behaupten, was die Bedenken der Anleger lindern werde. Als nächsten Katalysator sieht Hasanaj von Vontobel die Ankündigung von Restrukturierungsmassnahmen in Deutschland. Im Zuge der Anpassungen beim Modell wurde das Kursziel auf 65 von 70 Franken zurückgenommen. 

Bei Emmi zeigten sich die Änderungen an der Bewertungsmatrix am deutlichsten. Der Vontobel-Experte bezeichnet das Unternehmen als solide, unterschätzte Volumenstory mit Aufwärtspotenzial bei den mittelfristigen Ambitionen. Entsprechend erhöht er das Rating auf «Buy» von «Hold» und erhöht das Kursziel auf 1100 von 900 Franken. 

Emmis Volumenwachstum habe sich seit dem Inflationsschock 2022/23 auf mehr als 2,5 Prozent in den Jahren 2024 bis 2026 erholt, unterstützt durch Innovationen und das Konsumenteninteresse an Protein und anderen ernährungsphysiologischen Vorteilen von Milchprodukten, erklärte der Experte von Vontobel. Angesichts von Emmis Premium-Positionierung und der wachsenden Bedeutung seiner Wachstumsplattformen scheine das 10-prozentige Ziel beim «Return on Invested Capital» (ROIC) eher als Untergrenze denn als Obergrenze für die mittlere Frist. 

Bei DSM-Firmenich nimmt Vontobel das Rating zurück, weil die Aktie seit der Buy-Initiierung im Juni um mehr als 40 Prozent gestiegen ist. Eine weitere Neubewertung dürfte schrittweise erfolgen, angetrieben durch eine stetige Margen- und Cash-Generierung sowie eine attraktive Aktionärsrendite. Das Kursziel liegt unverändert bei 102 Franken. 

Thomas Daniel Marti
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