Die Einführung des neuen ambulanten Tarifsystems Tardoc hat im laufenden Jahr zu einem rechnerischen Kostenrückgang in der Grundversicherung geführt. Grund dafür sind Abrechnungsverzögerungen bei den Spitälern, die teilweise Überbrückungskredite benötigten. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Die Ausgaben der Grundversicherung sanken im dritten Quartal 2026 im Vorjahresvergleich um 1,2 Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Pro versicherte Person beliefen sich die Kosten in den vergangenen zwölf Monaten auf durchschnittlich 4846 Franken, was einer Abnahme um 60 Franken entspricht.
Kostenverschiebung ins 2027
Dieser Rückgang bildet die tatsächliche Ausgabenentwicklung jedoch nicht realistisch ab. Seit dem 1. Januar 2026 gelten für ambulante Behandlungen die neuen Strukturen Tardoc und Ambulante Pauschalen. Die Umstellung führte insbesondere im ambulanten Spitalbereich zu massiven Verzögerungen bei der Rechnungsstellung.
Die erfassten Kosten für ambulante Spitalbehandlungen gingen dadurch um 18 Prozent beziehungsweise 176 Franken pro Kopf zurück. Dieser statistische Spareffekt verzerrt das Gesamtbild und dürfte die Kostensteigerung im Jahr 2027 entsprechend nach oben treiben.
Liquiditätsengpässe an Spitälern
Tardoc brachte für viele Spitäler erhebliche betriebliche Schwierigkeiten mit sich, wie der Spitalverband Hplus auf Anfrage von Keystone-SDA schrieb. Weil Rechnungen erst verspätet gestellt und beglichen werden konnten, fehlten Spitälern finanzielle Mittel für laufende Verpflichtungen wie Gehälter und Beschaffungen.
Als weitere Ursache nannte Hplus verspätete Auslieferungen von Softwarelösungen. Mehrere Betriebe mussten ihre Liquidität durch Vorschüsse oder Kredite sichern, wobei nicht überall zinslose Vereinbarungen zustande kamen. Die Zinskosten dafür tragen die Spitäler selbst. Eine Überwälzung auf Patientinnen und Patienten oder Krankenkassen ist ausgeschlossen. In ersten Betrieben normalisierte sich die Rechnungslegung inzwischen wieder.
Wachstum in anderen Bereichen
Ausserhalb der Spitäler stiegen die Ausgaben fast überall an. Den grössten Zuwachs verzeichneten Spitex-Organisationen mit einem Plus von 14,4 Prozent. Die Kosten für psychologische Psychotherapie kletterten um 9,5 Prozent, während ambulante Arztpraxen ein Ausgabenwachstum von 7,2 Prozent verbuchten. Den grössten Anteil an den Gesamtkosten machten mit 1127 Franken pro Person die ambulanten Arztbehandlungen aus, gefolgt von Medikamenten aus Apotheken und Praxen mit 909 Franken sowie stationären Spitalaufenthalten mit 899 Franken.
Unterdessen setzt der Bund seine Sparbemühungen fort. An den Rundtischgesprächen unter der Leitung von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider verabschiedeten die Beteiligten Ende Oktober sechs neue Massnahmen, darunter Erleichterungen für Notaufnahmen und Programme für chronisch Kranke.
(AWP)

