Nikkei 225 - Das neue Erwachen des japanischen Aktienmarktes

Kaum ein Leitindex geht derzeit so steil aufwärts wie der japanische Nikkei. cash sagt, weshalb Japans Börse so floriert, was für eine Fortsetzung dieses Trends spricht und wie Anleger am Aufschwung partizipieren können.
30.10.2017 18:45
Von Pascal Züger
Blick auf die Rainbow Bridge und die Skyline von Tokio.
Blick auf die Rainbow Bridge und die Skyline von Tokio.
Bild: pixabay.com

Aktieninvestments sind häufig von geografischen Trends geprägt:  Lange waren US-Aktien unter Institutionellen Anlegern sehr gefragt, ehe Anfang 2017 eine grössere Umschichtung nach Europa einsetzte. Seit kurzem scheinen Grossanleger nun ein Auge auf einen neues Ziel geworfen zu haben: Japan.

Der japanische Leitindex Nikkei legte in den letzten 8 Wochen um mehr als 13 Prozent zu und kletterte auf ein neues 21-Jahre-Hoch bei über 22‘000 Punkten. Im gleichen Zeitraum gewann der Swiss Performance Index (SPI) fast 5 Prozent, was zwar auch eine gute Performance ist, im Vergleich zum Nikkei jedoch etwas abfällt.

Und nach dem Motto "the trend is your friend" attestieren Finanzmarktexperten Japans Aktien noch weiteres Potenzial: "Das technische Bild des Nikkei 225 deutet auf einen Anstieg auf über 26‘800 Punkte in den nächsten zwei bis drei Jahren",  steht etwa in einem Kommentar der Bank J. Safra Sarasin. Zum jetzigen Stand wäre dies ein weiteres Aufwärtspotenzial von knapp 22 Prozent.

Aufschwung nach den verlorenen Jahrzehnten?

Nichtsdestotrotz: Erfahrene Anleger dürften bei Japan-Investments erst einmal stutzig werden. Noch zu präsent sind ihnen die "zwei verlorenen Dekaden" von Japans Wirtschaft, die von 1990 bis 2010 dauerten. Diese waren geprägt von einem Preiszerfall, wirtschaftlicher Stagnation und einem tiefen Fall der Börsenkurse:

Kursentwicklung Nikkei-Index seit 1965, Quelle: Yahoo Finance

Der Nikkei-Index schnellte bis Ende 1989 massiv in die Höhe und erreichte am 29. Dezember 1989 ein unerreichtes Allzeithoch bei 38‘916 Punkten, ehe der grosse Zerfall wegen des Platzens einer Immobilienblase einsetzte. Ausgelöst wurde der Einbruch durch die Intervention der japanischen Notenbank: Sie erhöhte ab Oktober 1989 bis August 1990 die Leitzinsen in sehr schnellen Schritten von 3,25 auf 6 Prozent, um den Spekulationsexzessen einen Riegel zu schieben. Das würgte jedoch die Wirtschaftsleistung ab und leitete den langen ökonomischen Stillstand ein.

Doch das ist inzwischen 37 Jahre her. Gegenwärtig befindet sich die hinter der USA und China drittgrösste Volkswirtschaft der Welt wieder auf dem Weg der Besserung. Verantwortlich dafür ist wiederum die japanische (Geld-)Politik:  Die "Abenomics" - das Wort setzt sich aus dem Namen des  japanischen Premierministers Shinzo Abe und dem Wort "economics"  zusammen - ist eine im Januar 2013 eingeführte Politik, die mit einem Mix aus Konjunkturprogrammen, einer grossen Geldschwemme und tiefgreifenden Deregulierungen Japans Wirtschaft auf die Sprünge helfen will. 

Zwar wird die Abenomics immer wieder kritisiert, da sie etwa die Staatsschulden auf 240 Prozent des Bruttoinlandprodukts getrieben hat und weil die Politik erheblichen Druck auf die Notenbank ausübt. Doch sind positive Folgen erkennbar. Nach fast fünf Jahren Einsatz der Abenomics-Mittel verlässt Japan langsam die Zone der ewigen Deflation. Und nicht erstaunlich steigt dabei der Aktienmarkt. 

Japans Geldpolitik bleibt expansiv

Es gibt gute Gründe, weshalb die Börsenhausse Japans noch weiter andauern könnte. Während die US-Notenbank bereits Liquidität aus dem Markt zieht und die Europäische Zentralbank (EZB) eine Halbierung der monatlichen Anleihenkäufe ab Januar 2018 angekündigt hat, pumpt die Bank of Japan (BoJ) weiter viel Geld in die Märkte: Neben Staatsanleihen werden über Indexfonds pro Jahr Aktien im Wert von umgerechnet knapp 54 Milliarden Franken gekauft.

Bereits jetzt hält die BoJ gemäss Bloomberg 71 Prozent des Volumens aller in Japan kotierten passiven Indexfonds (ETF). Und da die Inflation mit aktuell 0,7 Prozent noch immer weit von der 2-Prozent-Zielmarke entfernt ist, ist kein Ende der Geldschwemme absehbar. Das dürfte den Yen schwächen und Aktien weiter Antrieb geben.

Globale wirtschaftliche Erholung

Japans Aktien profitieren zudem vom derzeitigen globalen Aufschwung besonders stark, da der Markt  wegen vielen Export- und Industriefirmen als zyklisch gilt. Ausserdem sprudeln die Gewinne japanischer Firmen: Die durchschnittliche Gewinnmarge beträgt derzeit 7 Prozent, was fast doppelt so viel ist wie während der Hausse-Zeit in den 1980er Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr steigen die Gewinne um ungefähr 20 Prozent an.

Obwohl der Nikkei bereits zu einer Rallye angesetzt hat, ist der Aktienmarkt in Japan noch immer vergleichsweise günstig bewertet. Das für die nächsten zwölf Monate geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 16, während hingegen die USA mit 22 und die Schweiz mit 25 deutlich teurer bewertet sind.

Neben den Gründen, die für eine weitere Börsenrally sprechen, gibt es natürlich auch Gefahren: Da ist etwa das ungelöste Problem der Überalterung der japanischen Gesellschaft. Ausserdem ist die Hausse der Japan-Aktien stark von der Notenbank abhängig, ein unerwartetes Ende der lockeren Geldpolitik würde der Börse stark zusetzen. Und die ab Oktober 2019 geplante Erhöhung der Konsumsteuer von 8 auf 10 Prozent könnte der japanischen Wirtschaft wieder an Schwung nehmen.

Wer an das weitere Potenzial der japanischen Börse glaubt, dem stehen verschiedene Finanzprodukte zur Auswahl, um breit in Japan investiert zu sein. Eine Auswahl von in der Schweiz handelbaren Aktien-ETF:

Produkt Performance 2017 TER* Beschrieb
iShares MSCI Japan Small Cap UCITS ETF USD (Dist)  +21% 0,58% Fokus auf japanische Aktien mit geringer Marktkapitalisierung
UBS ETF - MSCI Japan UCITS ETF (JPY) A-dis +17% 0,35% Nachbildung der 100 liquidesten BlueChip-Unternehmen in Japan
ComStage Nikkei 225 UCITS ETF +15% 0,25% Die Wertentwicklung des Nikkei 225 wird nachgebildet
Amundi ETF Japan Topix UCITS ETF +15% 0,48% Abgebildet wird der breite Topix-Index in Japan, der aus über 2000 Aktien besteht

*TER= Gesamtkosten (total expense ratio) / Quelle: cash.ch