Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat in entscheidenden Studien mit seinem Medikament Remibrutinib zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) positive Ergebnisse erzielt. Das Unternehmen plane nun, weltweit die Zulassung für das Mittel bei schubförmiger MS zu beantragen, teilte Novartis am Dienstag mit. Die Aktien des Konzerns legten daraufhin um fast fünf Prozent zu. Die positive Entwicklung wurde jedoch durch einen Rückschlag in einem anderen Forschungsbereich getrübt: Nach drei Todesfällen musste Novartis mehrere Studien zu einer experimentellen Zelltherapie aussetzen.
Im Fokus der Anleger standen jedoch die positiven Daten zu Remibrutinib. In den beiden Phase-III-Studien habe der Wirkstoff die jährliche Rückfallquote der Patienten im Vergleich zum Medikament Aubagio des französischen Konkurrenten Sanofi signifikant gesenkt. Darüber hinaus seien entzündliche Hirnläsionen verringert und das Fortschreiten körperlicher Einschränkungen verzögert worden. Novartis hob auch die gute Verträglichkeit des Wirkstoffs hervor: So habe es in den Studien keine Hinweise auf Leberschäden gegeben.
Trotz Fortschritten bei der Behandlung bestehe weiterhin ein ungedeckter Bedarf an oralen Therapien, die Rückfälle wirksam verhinderten, erklärte Novartis-Entwicklungschef Shreeram Aradhye. Detaillierte Daten sollen im Oktober auf einem MS-Kongress im kanadischen Toronto vorgestellt werden.
Analysten der Investmentbank Jefferies trauen dem Medikament allein bei MS Spitzenumsätze von mehr als drei Milliarden Dollar zu. Der Erfolg dürfte zudem das MS-Geschäft des Rivalen Roche mit dessen Kassenschlager Ocrevus unter Druck setzen. Als entscheidenden Wettbewerbsvorteil werten die Experten, dass Remibrutinib die Leber nicht angreift. Bei ähnlichen Wirkstoffen wie Fenebrutinib von Roche hatten solche Nebenwirkungen in der Vergangenheit für Rückschläge gesorgt. Unter dem Markennamen Rhapsido ist Remibrutinib seit September 2025 in den USA und seit April 2026 in der EU zur Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria (Nesselsucht) zugelassen.
Novartis bestätigte unterdessen einen Bericht des «Wall Street Journal» über den Stopp mehrerer Zelltherapie-Studien. Demnach setzte der Konzern das Programm für Autoimmun- und neurologische Erkrankungen vorübergehend aus, nachdem drei Patienten an den Folgen einer schweren Immunreaktion gestorben waren. Dies sei ein bekanntes Risiko der sogenannten CAR-T-Behandlung, erklärte das Unternehmen. Dabei werden körpereigene Immunzellen im Labor so verändert, dass sie gezielt kranke Zellen angreifen. Novartis will die Vorfälle nun gemeinsam mit unabhängigen Experten untersuchen und tauscht sich dazu mit den Gesundheitsbehörden aus. Die Krebsforschung mit dieser Therapie sei von dem Stopp nicht betroffen.
(Reuters)

