Der Pharmakonzern Novartis hat in den USA einen Rechtsstreit um ein Patent für sein Herzmedikament Entresto verloren. Das US-Bezirksgericht für den District of Delaware habe das Kombinationspatent für Entresto für ungültig erklärt, teilte das Unternehmen am Freitagabend mit. Generika könnten in der Folge früher auf den Markt kommen.
Die Aktien von Novartis stürzten in der Folge im späten Schweizer Aktienhandel am Freitag plötzlich deutlich ab, nachdem erste Gerüchte über das verlorene Urteil bekannt geworden waren. Zeitweise gaben die Aktien knapp 4,7 Prozent nach. Am Ende schlossen die Titel bei -3,15 Prozent Entresto ist ein wichtiges Medikament für den Basler Pharmariesen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte Novartis mit dem Verkauf des Herzmedikaments knapp 1,4 Milliarden US-Dollar um.
Die Aktien von Novartis steigen aktuell um 0,9 Prozent auf 85,68 Franken.
Obwohl durch den Entscheid Generika von Entresto in den USA früher als erwartet auf den Markt kommen könnten, geht Novartis nicht davon aus, dass der Zahlenkranz des laufenden Jahres aufgrund des Urteils tangiert wird. "Novartis ist nach wie vor zuversichtlich, was die kurz- und mittelfristigen Wachstums- und Rentabilitätsaussichten betrifft", heisst es. So erwarte das Unternehmen nach wie vor ein Wachstum des Konzernumsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich und ein Wachstum der operativen Kerngewinns im hohen einstelligen Prozentbereich.
Analysten reagierten recht gelassen auf die Nachrichten. Für das laufende und kommende Jahr sehen sie keine Belastungen und rechnen auch nicht mit Nachahmerprodukten. Bei Stifel verweist Analyst Eric Le Berrigaud auf frühere Novartis-Aussagen, wonach nicht vor Mitte 2025 im frühesten Fall mit ersten Nachahmern zu rechnen sei. Im schlimmsten Fall könne es nun ab Mitte 2025 zu einem ausgeprägteren Umsatzrückgang für den Blockbuster kommen als bislang gedacht.
Auch die übrigen Analysten kommen zu einem ähnlichen Schluss. Wie Analyst Stefan Schneider von Vontobel noch ergänzt, sei die Patentlage bei dem Herzmittel immer schwer einzuschätzen gewesen.
Dass auf Novartis in den nächsten Jahren auslaufende Patente und damit verbundene Umsatzeinbussen zukommen, beschäftigt die Analystenschar schon eine Weile.
(AWP/cash)
