So hätte sich Vas Narasimhan den Wochenstart nicht vorgestellt. Der Novartis-Chef musste innerhalb kurzer Zeit gleich zwei schwere Rückschläge bei der Medikamentenentwicklung bekanntgeben. Am Montag gaben die Aktien über 3 Prozent nach, nachdem das Scheitern eines wichtigen Cholesterinmedikaments kommuniziert worden war.
Am Dienstag kam's noch dicker. Die Aktie verzeichnet mit einem Minus von 10 Prozent den grössten Tagesverlust seit mehr als sechs Jahren. Zuvor musste Novartis einen Fehlschlag mit dem Hoffnungsträger Del-Desiran zur Behandlung einer seltenen Muskelerkrankung vermelden.
Mit dem äusserst ungewöhnlichen Börsenrückschlag innerhalb von zwei Handelstagen hat die Novartis-Aktie fast die ganze Jahresperformance zunichte gemacht. Zurück auf Feld eins statt weiterer Jagd nach neuen Rekordhöhen.
Die zwei Misserfolge der Medikamente, die zusammen fast 4 Milliarden Dollar an Umsatz hätten einbringen können, kommen für den Novartis-Chef zur Unzeit. Denn sein risikobehafteter Verwaltungsamtssitz beim KI-Unternehmen Anthropic und die neue Chefposition seiner Frau Srishti Gupta bei der US-Biotechfirma Novabridge Biosciences nährten zuletzt die Spekulationen, dass Narashihan Basel den Rücken zuwenden und in die USA zurückkehren würde.
Die Spekulationen veranlassten den Novartis-Chef bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen Ende Juli zu erwähnen, dass er den Pharmakonzern durch die nächste Wachstumsphase führen werde. «Keine Änderung meiner Pläne», so Narasimhan damals.
Novartis-Investoren reagieren ungehalten
Müssen die Pläne nun doch geändert werden? Denn nach dem Scheitern von zwei der drei grossen Hoffnungsträger in der Pipeline von Novartis reagierten Investoren ungehalten. Der Fehlschlag bei Del-Desiran erschüttere das Vertrauen in die Zukaufstrategie von Novartis, zumal die Erwartungen an das Mittel hoch gewesen seien, sagte James Eugene vom Novartis-Aktionär Verso Investment Management laut Reuters.
Gemäss der Zürcher Kantonalbank belastet der Fehlschlag sogar das Vertrauen in die gesamte eingekaufte Technologieplattform. Das Medikament Del-Desiran war das Kernstück der zwölf Milliarden Dollar schweren Übernahme von Avidity Biosciences.
Die Wachstumsziele des Novartis-Managements nach 2030 dürften ohne weitere Fusionen und Übernahmen nun wohl als unerreichbar wahrgenommen werden, schreibt ein Analyst von Jefferies. Er hat ein Kursziel von 110 Franken (derzeit: 113 Franken) für die Novartis-Aktie, für die er bloss eine «Halten»-Empfehlung hat.
Er deutet auch an, dass er die Aktie nach wie vor für überbewertet hält. Der Titel wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 16 für 2027 gehandelt. Das KGV des Pharma-Sektors dagegen liegt unter 13. Das KGV von Novartis werde wohl unter Druck geraten, so Jefferies.

