Die Entwicklungen im Technologiesektor dürften die Anleger auch in der neuen Börsenwoche weiter beschäftigen. «Die Zweifel an den vor allem in den USA hoch gewichteten KI-Titeln sind zuletzt gewachsen», schreiben die Experten der LBBW. Hinzu kämen Befürchtungen, ein Machtwechsel im ‌Kongress nach den ⁠Midterm-Wahlen könnte die Freiheit der KI-Anbieter einschränken. «Eigentlich müsste Europa in einem solchen Umfeld derzeit ein 'Sweet Spot' sein für diejenigen, die Anlagealternativen suchen. Doch wieder einmal kämpft die EU mit hausgemachten Problemen.»

Nachdem mit ABB, Galderma, Holcim, Nestlé, Roche und Sika bereits fünf SMI-Konzerne ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, verzeichnet der Leitindex auf Wochensicht ein leichtes Plus.

Für Verunsicherung sorgten derweil unter anderem die Unruhen in Frankreich, die die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen des Landes auf Wochensicht um ‌fast 28 Basispunkte in die Höhe trieben.

Nordsee-Rohöl Brent und US-Leichtöl WTI steuern indes auf die dritte und zweite Woche mit Gewinnen in Folge ‌zu. «Neue Berichte über Huthi-Angriffe auf saudi-arabische Energieinfrastruktur zeigen, dass sich die Lage weiter verschärft», warnt Kyle Rodda, ​Analyst beim Broker Capital.com. Laut den ING-Experten könnte dies die bisher robusten Ölflüsse bedrohen. Saudi-Arabien ist mit Exporten von zuletzt rund 4,5 Millionen Barrel pro Tag der weltgrösste Rohölexporteur.

Fed und EZB im Fokus

Der Anstieg beim Ölpreis hat weltweit Sorgen über eine höhere Inflation geschürt, die die wichtigsten Zentralbanken zu Zinserhöhungen bewegen könnte. Die Anleger warten daher mit Spannung auf die Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) in der neuen Woche. Nach der ersten Zinserhöhung seit drei Jahren dürfte die Fed nach Ansicht vieler Experten den Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Auf dieses Niveau ‌hatte sie ihn im September angehoben, um der hartnäckigen Inflation Paroli zu bieten. An den Finanzmärkten wird jedoch erwartet, dass die Fed bereits im Dezember nachlegt und sich damit weiter gegen den Preisauftrieb stemmt.

Auch die EZB steht trotz der hartnäckig hohen Inflation im Euroraum voraussichtlich vor einer Zinspause, nachdem sie die Zügel im Juni und zuletzt im September angezogen hat. EZB-Chefin Christine Lagarde hat signalisiert, dass die Zinsen nicht ​im Gleichschritt mit der Inflation steigen werden. Sie gab damit einen Hinweis auf eine mögliche Pause. Doch dürfte die EZB schon zum Jahresende nachlegen, wenn der ​Inflationsdruck wie von vielen Experten erwartet noch zunimmt.

Novartis-Zahlen und UBS-Kapitaldebatte stehen an

Zugleich geht es in der neuen Woche mit der Bilanzsaison weiter. So berichten die SMI-Unternehmen Novartis, Logitech, Amrize, Sandoz und UBS über den Geschäftsgang im zurückliegenden Quartal.

Die Grossbank UBS wird auch anderweitig für Gesprächsstoff sorgen. Denn die zuständige Kommission des Nationalrates wird sich zum Wochenauftakt mit der Frage nach der Eigenmittelausstattung systemrelevanter Banken befassen. Die Kommissionsbeschlüsse sind für den Gesamtrat zwar nicht bindend, geben aber dennoch Hinweise auf die Haltung der Abgeordneten in der grossen Parlamentskammer. Diese wird sich voraussichtlich in der Wintersession, die im Dezember stattfindet, über das Geschäft beugen.​

In Deutschland stehen die Finanzberichte mehrerer Dax-Unternehmen an. Für Dienstag sind unter anderem die Veröffentlichungen der Ergebnisse von Porsche AG und Beiersdorf geplant. Zur Wochenmitte folgen die Zahlen von BASF, Symrise, Mercedes-Benz, Airbus und der Deutschen Bank. Am Donnerstag gewähren MTU, VW und Adidas ‌einen Blick in ihre Bücher. In den USA stehen vor allem die Bilanzen der Google-Mutter Alphabet am Mittwoch und des Onlinehändlers Amazon am Donnerstag im Fokus. Zudem warten Anleger auf die Bilanzen weiterer US-Unternehmen wie PayPal, Visa, Boeing, Coca-Cola und Merck.

Die neue Konjunkturdatenwoche eröffnet am Montag der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober. Zur Wochenmitte prognostizieren die Konsumforscher der GfK die deutsche Verbraucherstimmung für November, die sich laut Experten etwas verschlechtern dürfte. Im Fokus am ​Donnerstag stehen ​Zahlen zum Geschäftsklima und zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone. In den USA warten Anleger auf den PCE-Index der ⁠Konsumentenausgaben im September. Zum Wochenschluss folgen dann die deutschen Daten zur Entwicklung der Inflation im Oktober sowie die Arbeitsmarktdaten für ​den Euroraum im September. Zudem werden am Donnerstag ⁠und Freitag die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal für die USA, den Euroraum und Deutschland erwartet. «Mit den Belastungen durch den Iran-Krieg ist wohl erneut die US-Wirtschaft am besten zurechtgekommen», prognostizieren die Commerzbank-Experten.

(Reuters/cash)