Occasions-Autos werden wieder teurer

Der Preisrutsch bei Gebrauchtwagen ist laut AutoScout24 vorbei. Wie der Trend in den kommenden Monaten sein wird und was beim Kauf einer Occasion zu beachten ist.
09.10.2014 00:59
Von Frédéric Papp
Der Preisrutsch bei den Gebrauchtwagen ist beendet.
Der Preisrutsch bei den Gebrauchtwagen ist beendet.
Bild: www.autoscout24.de

Der Schweizer Auto-Occasionsmarkt gilt als einer der dynamischsten in Europa. Wie die Marktanalysten von Eurotax berechnet haben, wechselten von Januar bis Juni rund 424'000 Occasionen ihren Besitzer. Im Vorjahresvergleich ist dies allerdings ein Rückgang um 5815 Fahrzeuge.

Die Occasionspreise hingegen haben seit Beginn des Jahres hingegen leicht zugelegt, wie der Marktindex von Autoscout24 zeigt. Im August kletterte der Durchschnittspreis im Vergleich zum Januar um gut 400 auf rund 21'200 Franken.

"Wir haben die Talsohle bei den Occasionspreisen nun erreicht und rechnen mit weiter steigenden Preisen, wenn auch moderat", sagt Christoph Aebi, Direktor von AutoScout24, dem hierzulande grössten Online-Marktplatz für Gebrauchtwagen-Fahrzeuge.

Seit der Einführung des Marktindex im Januar 2010 sind die Preise für Gebrauchtwagen stetig zurückgekommen. Damals lag der Durchschnittspreis bei 25'000 Franken. Dahinter steckt die Aufwertung des Frankens. Die Stärke des Frankens machte die Importpreise für Neuwagen günstiger und dies wiederum kurbelte die Zulassungen für Neuwagen an. Im Gegenzug wurde der Automarkt mit Occasionen geflutet. Laut Aebi hat der Markt nun aber das Überangebot abgebaut.

Eine Checkliste für den Occasionskauf

Da die Preise für Gebrauchtwagen nun tendenziell zunehmen, müssen potenzielle Käufer umso mehr darauf achten, nicht zu viel für die Occasion zu bezahlen. Doch gerade bei Laien ist dies eine schwierige Sache. Gibt es doch viele Punkte, bei denen die Gefahr der Übervorteilung besteht. Die folgende nicht abschliessende Liste soll helfen, beim Auto-Occasionskauf nicht die Katze im Sack zu kaufen:

Was versteht man unter einem Unfallwagen?

Das Auto war in einen Unfall verwickelt. Dabei wurden wichtige tragende Teile des Wagens beschädigt wie Fahrgastraum, Haupt- oder Querträger im Bereich der Aufhängung, Dach- und Bodenbleche oder eingeschweisste Kotflügel. Der Verkäufer ist dann verpflichtet das Auto als Unfallwagen zu kennzeichnen. Bei Unterlassung kann der Vertrag wegen absichtlicher Täuschung angefochten werden. Bei blossen Bagatellschäden (z.B. Reparatur von kleinen Beulen) darf das Fahrzeug als unfallfrei bezeichnet werden.

Wie erkenne ich einen Unfallwagen?

Unterschiedlich heller Lack an verschiedenen Stellen sind ein Alarmsignal. Denn dies ist ein Hinweis, dass Schäden notdürftig repariert und anschliessend überlackiert wurden. Achten Sie auch auf unterschiedliche Spaltmasse bei Türen, Kofferraum und Motorhaube und darauf, ob sich diese sauber schliessen lassen. Zieht zudem das Auto beim Geradeausfahren spürbar zur Seite, handelt es sich ziemlich sicher um einen Unfallwagen.

Wie kann ich feststellen, ob der Tachometer manipuliert wurde?

Bei modernen Automobilien ist dies schwierig, da elektronische Tachos eingebaut sind, die sich mit dem entsprechenden Know-how leicht manipulieren lassen. "Auch mit professionellen Diagnosegeräten lässt sich die exakte Kilometerzahl nicht immer zweifelsfrei feststellen", sagt TCS-Sprecher David Venetz. Hersteller würden die Steuergeräte so einstellen, dass diese ab einem bestimmten Level nicht mehr von Dritten bearbeitet werden können, erklärt Vernetz.

Doch wer folgende Tipps beachtet kommt den Tacho-Tricksern auf die Schliche:
Zustand des Interieurs: Sind Vorder- und Rücksitze durchgesessen, sind Kilometerstände jenseits der 50'000-Marke sehr wahrscheinlich. Begutachten Sie das Lenkrad: Ein abgegriffenes Lenkrad deutet auf einen sehr hohen Kilometerstand hin. Dasselbe gilt für die Fusspedale, Schaltknauf, Armaturenbrett oder verschlissene Türgummis.
Service-Heft prüfen: Prüfen Sie das Serviceheft auf Vollständigkeit. Sind alle Servicearbeiten mit Datum und Kilometerstand durch die Werkstatt lückenlos aufgeführt sind, lässt sich der Kilometerstand verifizieren.
Professionelle Hilfe: Der TCS bietet in ihren technischen Zentren die Prüfung von Occasionsautos. Die Kosten für Nichtmitglieder (je nach Zentrum) betragen 240 Franken, Mitglieder zahlen die Hälfte.

Habe ich Anspruch auf eine Probefahrt?

Ja. Wenn der Verkäufer nicht zustimmt, ist ohnehin etwas faul.

Wo finde ich Occasions-Wagen?

Die bekanntesten Online-Plattformen sind AutoScout24 oder Car4You. Comparis fasst die Anzeigen der beiden erwähnten Plattformen und sechs weiteren Autoportalen zusammen und versieht die Fahrzeuge mit einer Bewertung von 1 bis 6 (1 = schlecht, 6 = sehr gut).

Wer haftet für Mängel bei Occasionsautos nach dem Kauf?

Das Gesetz sieht bei allen Kaufverträgen die sogenannte Gewährleistung für Mängel vor. Verkäufer haften ein Jahr lang für die Tauglichkeit des Wagens. Häufig wird die Mängelhaftung zeitlich eingeschränkt. Die Garantiefrist sollte mindestens sechs Monate betragen. Der Zusatz "Ohne Garantie" heisst, dass der Verkäufer allfällige Defekte nicht auf seine Kosten reparieren will. Die Rechte auf ein Jahr Sachgewährleistung sind damit nicht ausgeschlossen. Dies müsste ausdrücklich im Kaufvertrag formuliert sein. Etwa mit "Ohne Gewähr für Mängel" oder "Die gesetzliche Gewährleistung ist ausgeschlossen".

Ist ein schriftlicher Kaufvertrag sinnvoll?

Um bei Streitigkeiten auf der sicheren Seite zu sein, ist ein schriftlicher Vertrag unumgänglich. Was in einen Vertrag gehört erfahren Sie hier.