Insgesamt 94 von 104 befragten Experten gehen in einer aktuellen Reuters-Umfrage davon aus, dass die Federal Reserve (Fed) den Leitzins Mitte September unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen wird. Auf der jüngsten Sitzung Ende Juli hatte ein Viertel der Währungshüter im Offenmarktausschuss (FOMC) für eine Erhöhung gestimmt. Doch gilt eine Anhebung im September nun eher als unwahrscheinlich, da im Juli am US-Arbeitsmarkt überraschend 23'000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft abgebaut wurden.
Dies dürfte bei der Fed die Alarmglocken schrillen lassen, da sie mit ihrer Geldpolitik Vollbeschäftigung fördern soll. Mit Blick auf die angestrebte Preisstabilität haben sich die Sorgen zuletzt ein wenig verringert: Die Inflation ging zuletzt etwas zurück, auch wenn die Teuerungsrate mit 3,4 Prozent noch immer viel zu hoch ist.
Währungshüter im «Familienstreit»
«Bei der Debatte geht es eindeutig um die Möglichkeit von Zinserhöhungen», sagt Ryan Wang, US-Volkswirt bei HSBC, der jedoch mit einem vorerst konstanten Zinsniveau rechnet. Denn aktuelle Daten deuteten auf eine gewisse konjunkturelle Abschwächung hin: «Dies könnte mehr FOMC-Mitglieder dazu bewegen, sich eher dem Lager der Abwartenden als dem der Befürworter sofortiger Zinserhöhungen anzuschliessen», erklärte der Ökonom.
Der seit Mai amtierende Fed-Chef Kevin Warsh liess sich auf der Pressekonferenz nach dem jüngsten Zinsbeschluss nichts zum weiteren geldpolitischen Kurs entlocken. Er bezeichnete das abweichende Stimmverhalten als Teil der von ihm eingeforderten lebhaften Debattenkultur im FOMC, die seiner Ansicht nach einem «guten Familienstreit» ähneln sollte.
Nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten hatten sich die Erwartungen an den Finanzmärkten mit Blick auf eine mögliche Zinserhöhung verschoben. Statt einer Anhebung im September wird nun eher mit konstanten Zinsen gerechnet. Die grosse Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen erwartet, dass sich in diesem Jahr nichts mehr an der Zinsfront tun wird. An den Terminmärkten wird dies anders gesehen: Dort ist weiterhin eine Zinserhöhung bis Ende Dezember eingepreist.
(Reuters)

