Schnabels achtjährige Amtszeit bei der EZB endet eigentlich Ende 2027. Ein Wechsel zum Internationalen Währungsfonds kann womöglich noch im Laufe des Tages angekündigt werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr. Die EZB und auch ‌der IWF lehnten einen Kommentar zu dem Bericht ‌ab. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

FRIEDRICH HEINEMANN, ​ZEW:

«Nach unseren KI-unterstützten Auswertungen der Reden von Zentralbankern ist Isabel Schnabel mit der grossen Inflation von 2021/22 zur einflussreichen Falkin geworden. Noch beharrlicher als andere warnt sie immer wieder vor der Unterschätzung von Inflationsgefahren. Jenseits dieser Rhetorik sticht ‌sie aber im EZB-Rat in besonderer Weise durch ihre eigene exzellente Forschung zu Finanzmarktthemen heraus. Diese Forschungs-Skills hat sie auch immer wieder eingebracht, um ihre eigenen Positionen ​zu überprüfen und zu begründen. Damit war sie sicherlich äusserst ​einflussreich in der Meinungsbildung im EZB-Rat.

Mit ihrem ​Abgang geht dem EZB-Rat daher erhebliche Expertise verloren, die auch als Gegengewicht gegen die starken fiskalischen ‌Interessen an einer lockeren Geldpolitik gewirkt haben.

Der Abgang ist nicht nur für Deutschland, sondern für die Eurozone ein Verlust. Aus deutscher Sicht ist wichtig, jetzt Schwergewichte ​mit ​einer unzweifelhaften Unabhängigkeit von der Politik ins ⁠Rennen zu schicken. Die kommenden Jahre werden ​für die EZB wahrscheinlich ⁠noch anspruchsvoller, als alles, was wir bisher erlebt haben. Länder wie Frankreich ‌steuern auf eine Fiskalkrise zu. Da braucht es Expertise und geldpolitische Standfestigkeit.»

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-ÖKONOM:

«Mit Isabel Schnabel geht eine fachlich ausserordentlich kompetente Direktorin ‌von Bord. Ich habe durch ihre Reden immer eine Menge ​gelernt. Ihr vorzeitiger Abgang ist für die EZB ein Verlust.

Wir haben Isabel Schnabel als moderaten geldpolitischen Falken eingestuft. Es ist unklar, wen Deutschland als Nachfolger nominieren ‌wird. Davon wird abhängen, ​wie sich die Gesamtausrichtung des Direktoriums verändert.»

(Reuters)