Die hohen Energiepreise haben die Inflationsrate im Euroraum auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren getrieben. Die ‌Verbraucherpreise ⁠stiegen im September um 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August, ⁠wie das EU-Statistikamt am Freitag auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten ‌nur mit einem Wert von 3,6 Prozent gerechnet. ‌Energie verteuerte sich gegenüber dem Vorjahresmonat ​um 18,8 Prozent. Die Europäische Zentralbank dürfte sich aus Sicht der Finanzmärkte bis zum Jahresende mit einer weiteren Zinserhöhung gegen den Preisauftrieb in der Euro-Zone stemmen.

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Alexander Krüger, Chefökonom Bethmann Hal:

«Die Inflation schiesst nach oben, die Aussichten bleiben trüb. Der Iran-Krieg und die Hitzewelle dürften auch in den nächsten Monaten eine ​Last sein. Überdies dürften Ernteausfälle durch die zurückliegende Hitze ​zu höheren Preisen führen. Wenn es ​gut läuft, wird die Inflationsrate im nächsten Frühjahr unter 3,0 Prozent fallen. All das ‌ist Wasser auf die Mühlen der EZB, die Leitzinsen weiter zu erhöhen. Daran dürfte auch die noch recht niedrige Kernrate nichts ändern, ist ​die ​Gefahr von Zweitrundeneffekten doch gross.»

Jörg Krämer. Chefökonom Commerzbank:

«Es sind vor allem die massiven ​Preiserhöhungen bei Energie, die ⁠die Inflation auf den höchsten Stand seit Herbst 2023 steigen liessen. ‌Ausserdem mehren sich die Anzeichen, dass die Unternehmen die höheren Energiepreise an ihre Kunden weitergeben. In den letzten drei ‌Monaten sind die Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel auf ​Jahresrate hochgerechnet bereits um schätzungsweise drei Prozent gestiegen. Dieses Verfestigen der Inflation wird der EZB nicht gefallen. Sie wird ihre Leitzinsen weiter anheben müssen.»

Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:

«Die EZB hat weniger ein Thema mit der Inflationsentwicklung in Deutschland und Frankreich, sondern der Schuh drückt im Süden Europas. Die Inflationsentwicklung in Spanien ist zum Problemfall geworden - immerhin die viertgrösste Volkswirtschaft des Euroraums. Dort stieg die Inflationsrate im September auf 5 Prozent und nach nationaler Berechnungsmethode liegt die Kerninflationsrate bei 3,1 Prozent. Gleichzeitig wächst die spanische Wirtschaft kräftig; im zweiten Quartal legte das BIP um 0,7 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres zu. Auch in Italien - und damit der drittgrössten Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsraumes - lag die Inflationsrate bei 4,1 Prozent. Das sind alarmierende Zahlen, auf welche die EZB reagieren wird.»

(Reuters/cash)