Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hellt sich immer mehr auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August ‌stärker ⁠als erwartet auf 88,8 Punkte, nach 86,7 Zählern im Juli, und ⁠damit das vierte Mal in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage ‌unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von der Nachrichtenagentur ‌Reuters befragte Experten hatten nur ​mit 87,2 Punkten gerechnet. «Die Unsicherheit nahm weiter ab», erklärte Ifo-Chef Clemens Fuest. «Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs erholt sich die deutsche Wirtschaft.»

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Ulrich Wortberg, Heleba:

«Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Lageeinschätzungen ‌haben zugelegt. Insgesamt sind die konjunkturellen Perspektiven in Deutschland solide, der Ausblick bleibt jedoch vor dem Hintergrund des anhaltenden Nahost-Konflikts und der hohen Energiekosten unsicher. ​Dürre und Niedrigwasser stellen ebenfalls Belastungsfaktoren dar. Mit Blick auf ​die EZB-Geldpolitik spricht der Ifo-Index einer Zinserhöhung ​im September nicht entgegen. Marktteilnehmer haben diesen Schritt bereits fast vollständig eingepreist. Auch ‌die EZB signalisiert Handlungsbereitschaft, legt sich aber nicht im Voraus fest.»

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Hal Bank:

«Der Stimmungsaufschwung kommt irgendwie aus dem Nichts. Das überrascht, ​sind die ​wirtschaftlichen Rahmenbedingungen doch weiter schwierig. ⁠Die Energiepreise sind hoch, die Hitzewelle bremst die ​Produktion, und die ⁠Regierung verweilt im Sommerloch. US-Sanktionen gegen den Iran dürften die Energiepreise ‌zudem hoch halten. Für Verbraucher sind das schlechte Nachrichten, bleiben die Geldbeutel doch belastet. Auch Exportchancen für manchen Absatzmarkt stehen derzeit ‌auf dem Spiel. Es liegt auf der Hand, dass ​Wachstumshoffnungen für das zweite Halbjahr verhalten bleiben. Das Wachstumssignal steht weiter auf Durchhalten statt Aufschwung. Die bessere Stimmung wird sich erst noch beweisen müssen.»

(Reuters)