Der US-Arbeitsmarkt hat sich im September überraschend stark abgekühlt. Unter dem Strich entstanden nur 29'000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft, wie aus dem am Freitag veröffentlichten staatlichen Job-Bericht hervorgeht. Von der ‌Nachrichtenagentur Reuters ⁠befragte Experten hatten mit 90'000 Jobs gerechnet. Im August waren nach revidierten Daten 133'000 Stellen entstanden. Ursprünglich ⁠war hier ein Plus von 162'000 Jobs gemeldet worden. Die Arbeitslosenquote stieg im September von 4,1 auf 4,2 Prozent.

Analysten sagten dazu ‌in ersten Reaktionen:

Dirk Chlench, Landesbank LBBW:

«Der vergleichsweise kräftige Anstieg der Beschäftigung ‌im August hat sich erwartungsgemäss als Ausreisser herausgestellt. ​Im September wurden nur 29'000 neue Stellen geschaffen. Im Einklang mit dem geringeren Beschäftigungsaufbau steht die moderate Entwicklung der Stundenlöhne. Diese legten im Vorjahresvergleich lediglich mit einer Rate von 3,0 Prozent zu. Abseits der Energie bleibt der Preisaufwärtsdruck damit moderat. Wir gehen zwar davon aus, dass die US-Notenbank im laufenden Jahr noch einmal an ‌der Zinsschraube drehen wird, Markterwartungen von drei bis vier Leitzinserhöhungen bis zum Sommer des kommenden Jahres erachten wir indes als übertrieben.»

Thomas Gitzel, Chefökonom VP BANK:

«Der Arbeitsmarktbericht wird die Fed in ihrem Ausblick moderater Zinsanhebungen bestätigen. Die ​Projektionen der Notenbankmitglieder zeigten eine weitere Zinsanhebung im laufenden Jahr an. Die Notwendigkeit für ​aggressive Zinsanhebungen lässt sich jedenfalls aus dem heute veröffentlichten Wasserstandsbericht des ​US-Jobmarktes nicht ableiten. Und noch etwas zählt: Bislang waren keine Zweitrundeneffekte ersichtlich. Zwar wird die US-Inflationsrate im September aufgrund der höheren Energiepreise ‌vermutlich auf 3,8 Prozent steigen, doch die Kerninflationsrate dürfte sich nicht verändert haben. Somit werden auch weiter Preisüberwälzungen erkennbar sein, sodass die Fed zunächst auf Sicht fahren und behutsam an der Zinsschraube drehen wird.»

Ulrich Wortberg, Landesbank Helaba:

«Der ​Arbeitsmarktbericht ​enttäuscht angesichts der positiven Indikationen, die es vonseiten der ⁠Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, des ADP-Reports oder des ISM-Beschäftigungsindexes gegeben hatte. Die ​Zinserwartungen dürften etwas gedämpft werden. Noch ⁠wird ein weiterer Schritt der US-Notenbank Fed bis zum Ende des Jahres eingepreist, und ein zusätzlicher zum ‌Ende des ersten Quartals 2027.»

Alexander Krüger, Chefökonom Bethmann Hal:

«Das Ganze dürfte mehr ein Ausrutscher als ein neuer Trend sein. Wahrscheinlich wird das schwache Ergebnis mit dem nächsten Bericht schon ‌wieder weggebügelt. Die Wirtschaft wächst robust und der Lohnauftrieb hält sich in Grenzen. ​Der Anstieg der Arbeitslosenquote ist kaum der Rede wert. Die Fed kann sich voll auf ihr Inflationsmandat konzentrieren. Leichtes Stirnrunzeln bereitet jedoch, dass sich Arbeitskräfte zunehmend vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Allein mit der Demografie ist dies nicht zu erklären.»

(Reuters)