Die Erfolgsserie der deutschen Industrie ist im August gerissen: Nach zuvor drei Anstiegen in Folge musste sie diesmal einen unerwarteten starken Auftragseinbruch hinnehmen. Das Neugeschäft schrumpfte um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hiess es dazu:
THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:
«Auch wenn das deutliche Minus vor allem auf ein geringes Volumen an Rüstungsaufträgen zurückzuführen ist, mag der Auftragseingang nicht so recht überzeugen. Auch unter Herausrechnung der Grossaufträge fehlt es an einem klaren Aufwärtstrend. Es fehlt an einer neuen Investitionsdynamik, die auf einen dauerhaften Konjunkturaufschwung hindeuten würde.
Beruhigend wirkt derweil der hohe Bestand an Aufträgen. Dieser sollte zumindest in den kommenden Monaten die Industrieproduktion stützen. Darüber hinaus blicken die Unternehmen basierend auf dem Ifo-Geschäftsklimaindex weiterhin optimistisch in die Zukunft, was dafür spricht, dass der Auftragseingang in den kommenden Monaten vielleicht dann doch mehr an Boden gewinnen sollte.»
MICHAEL HERZUM, UNION INVESTMENT:
«Am grundsätzlich positiven Bild ändert das wenig. Die Auftragslage der deutschen Industrie hat sich seit Herbst 2025 deutlich verbessert. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und bieten der Industrie rechnerisch ein Polster von rund neun Monaten. Die Frühindikatoren sprechen zudem dafür, dass die Erholung weiter an Fahrt gewinnen kann. Doch bislang läuft die Produktion den Bestellungen noch hinterher. Viele Unternehmen arbeiten zusätzliche Aufträge mit ihren bestehenden Kapazitäten ab, statt ihre Fertigung auszuweiten.
Ob aus den vollen Auftragsbüchern tatsächlich mehr Wachstum entsteht, entscheidet sich bei den Investitionen. Noch fehlt den Unternehmen das Vertrauen, Produktion und Kapazitäten hochzufahren. Die deutsche Industrie hat sich stabilisiert und die Perspektiven sind gut – ein Boom ist das aber noch nicht.»
(Reuters)

