Online-Apotheke - Zur-Rose-Konkurrent Shop Apotheke will rasant wachsen

Der Online-Händler Shop Apotheke steuert stramm auf die Umsatzmilliarde zu. Laut Vorstandschef Stefan Feltens ist das allerdings erst der Anfang.
06.05.2021 18:45
Konsumenten weichen immer mehr auf Online-Apotheken aus.
Konsumenten weichen immer mehr auf Online-Apotheken aus.
Bild: imago images / Panthermedia

Mit der Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland dürfte das Unternehmen zukünftig sehr viel mehr verschreibungspflichtige Medikamente verkaufen, so Feltens im Interview. Auch bei den nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente dürfte sich der Online-Anteil von aktuell gut 20 Prozent weiter erhöhen. Noch mehr Potenzial bestehe in Ländern wie Frankreich oder Italien, die diesbezüglich noch hinterher hinkten. Der Start eines eigenen Online-Marktplatzes werde weiteres Wachstum bringen, so der CEO.

„Dieses Jahr werden wir die Umsatzmilliarde deutlich überschreiten und wenn Analysten von 2 Milliarden Euro Umsatz sprechen, dann ist das eine Grössenordnung, die wir in den kommenden Jahren ansteuern,” so Feltens. “Und wir sehen darüber hinaus noch grosses Wachstumspotenzial.”

Externe Marktbeobachter erwarten Feltens zufolge, dass der Online-Anteil verschreibungspflichtiger Medikamente einige Jahre nach Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland auf 8 Prozent bis 12 Prozent von heute etwa 1 Prozent bis 1,5 Prozent klettern dürfte. Schweden gelte als Referenzmarkt: dort wurden Onlinerezepte 2010 eingeführt. Heute liegt der Online-Marktanteil bei etwa 12 Prozent.

„Wir glauben, dass Deutschland schneller auf etwa 10 Prozent kommen wird, einfach weil heute jeder ein Smartphone hat und mit Apps vertraut ist“, so Feltens.

Der Patient bekomme zukünftig ein Rezept mit einem QR-Code, womit er nach wie vor zu seiner Apotheke gehen kann, um sein Medikament zu erhalten, so der Manager. Alternativ kann er allerdings auch mit der zentralen E-Rezept-App der Gematik, dem Digitalisierer des deutschen Gesundheitswesens, auf den QR-Code zugreifen und ihn einer Apotheke digital zukommen lassen. Drittens kann er ein Foto des QR-Codes über einen Messenger-Dienst an die Apotheke seiner Wahl übermitteln. Vor allem die beiden letzteren Fälle versprechen gutes Wachstum für Online-Apotheken.

Seit dem Rekordhoch Mitte Februar hat die Aktie der Shop Apotheke deutlich korrigiert. Am heutigen Donnerstag sackten die Titel nach den Quartalszahlen um bis zu 11 Prozent ab, was Analysten einer schwächeren operativen Marge zuschrieben. Druck brachten unter anderem die Logistikkosten. Dies sollte allerdings temporärer Natur sein: neben dem neuen wurde im ersten Quartal noch das alte Warenlager parallel betrieben, eine Doppelbelastung, die im Spätsommer enden dürfte. Langfristig ist das neue Lager in den Niederlanden nahe Venlo effizienter, da dort weniger Arbeit händisch erledigt wird.

Auch Gewinnmitnahmen könnten heute eine Rolle gespielt haben, hat der Kurs der Aktie in den letzten 12 Monaten doch 120 Prozent zugelegt.

“Wir haben ein ganz neues Logistikzentrum, was uns für zwei bis drei Jahr hinreichend Kapazität gibt mit einem hohen Automationsgrad,” so Feltens.

Ausserdem sagte der Vorstandschef im Interview, dass Zukäufe weiterhin möglich blieben, aber nicht zwingend nötig seien. Zu dem sei der Kauf eines Wettbewerbers unwahrscheinlich, da die Preise zu hoch seien. Kleinere Zukäufe blieben hingegen eine Möglichkeit, um etwa in neue Länder zu expandieren, genau wie der Zukauf von Kompetenzen wie zuletzt bei Smartpatient.

Feltens bestätigt das langfristige Ziel einer Ebit-Marge von 6 Prozent oder mehr. Das Wachstum bei Neukunden werde sich unterproportional zum Umsatz entwickeln, da sich der durchschnittliche Warenkorb mit mehr verschreibungspflichtigen Medikamenten erhöhen würde. Im ersten Quartal 2021 habe es schwächer ausgesehen u.a. wegen der starken Vergleichsbasis nach Vorzieheffekten im März 2020 unmittelbar vor dem Lockdown. Zudem sei das Ausbleiben der “normalen” Erkältungssaison dieses Jahr als Folge der Distanzregeln ebenfalls ein Dämpfer gewesen, sagt Feltens. 

(Bloomberg)

 
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