Die Strabag-Aktie sprang am Freitag im frühen Handel um mehr als zehn Prozent nach oben und notierte ‌zuletzt bei 94,60 Euro. Wegen prall gefüllter Auftragsbücher rechnet das Management für 2026 nun ‌mit einer Bauleistung von fast 23 Milliarden Euro, wie das ​Unternehmen mitteilte. Zuvor waren rund 22 Milliarden Euro angepeilt worden. Auch bei der Profitabilität wird Strabag zuversichtlicher und erwartet nun eine operative Rendite (Ebit-Marge) zwischen 5,5 und 6,0 Prozent statt der bisherigen 5,0 bis 5,5 Prozent.

Ein Analyst der Erste Group lobte die Zahlen. Wegen der angehobenen Prognose dürften die Gewinnschätzungen nun deutlich nach oben angepasst werden, hiess es in einer Kurzstudie. ‌Der Experte bekräftigte seine Kaufempfehlung für das Papier.

In den ersten sechs Monaten steigerte Strabag seine Leistung um zwölf Prozent auf knapp zehn Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) kletterte um 35 Prozent auf 174,43 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Konzernergebnis von ​119,06 Millionen Euro, was einem Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Treiber dieser ​Entwicklung ist eine anhaltend hohe Nachfrage im Infrastrukturbau, insbesondere bei Energie- und ​Bahnprojekten. Dies liess den Auftragsbestand um 27 Prozent auf den Rekordwert von knapp 36 Milliarden Euro anschwellen.

Damit habe Strabag die Erwartungen deutlich übertroffen und biete eine ‌aussergewöhnlich gute Sichtbarkeit der Geschäftsentwicklung bis ins Jahr 2027 hinein, erklärte der Erste-Group-Analyst. Zudem profitierte der Konzern von einem starken Aufholeffekt: Nachdem viele Strassenbauprojekte im ersten Quartal wegen des kalten Wetters in Europa zunächst schleppend angelaufen waren, nahm das Geschäft im zweiten ​Quartal deutlich an ​Fahrt auf.

Auf Aktionärsebene sind die vom russischen Anteilseigner Rasperia gehaltenen ⁠Strabag-Anteile von 24,1 Prozent wegen der EU-Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs weiterhin eingefroren, sämtliche ​Aktionärsrechte ruhen. Ende Juli reichte ⁠die Wiener Raiffeisen Bank International (RBI) eine Schadenersatzklage in Höhe von rund 3,15 Milliarden Euro gegen Rasperia ein. Hintergrund ist ein Urteil ‌aus dem Frühjahr 2025, bei dem ein russisches Gericht die dortige RBI-Tochter zur Zahlung von rund 2,4 Milliarden Euro an Rasperia verurteilt hatte.

Mit der Klage in Wien will die Bank nun auf die eingefrorenen ‌Strabag-Aktien und die Dividendenansprüche von Rasperia zugreifen, um sich für die in Russland eingezogenen Gelder ​zu entschädigen. Grösste Anteilseigner des Baukonzerns sind die Familie Haselsteiner mit 27 Prozent sowie Raiffeisen und der Versicherer Uniqa mit zusammen 26,7 Prozent. Letztere hatten im ersten Halbjahr Anteile an institutionelle Investoren verkauft, wodurch sich der Streubesitz von 16,2 auf 20,0 Prozent erhöhte.

(Reuters)