Zugleich erweisen sich die Volkswirtschaften in Osteuropa trotz des durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschubs als bemerkenswert widerstandsfähig, wie aus dieser Woche veröffentlichten Herbstprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hervorgeht. Während Länder wie Rumänien und die Slowakei mit hohen Haushaltsdefiziten und der Schwäche der deutschen Autoindustrie kämpfen, boomen Polen, Kasachstan und die Westbalkan-Staaten. Für die Ukraine und Russland sagt das Institut nach fast fünf Kriegsjahren für 2026 nur noch ein Wachstum von jeweils 0,6 Prozent voraus.
Das Institut untersuchte für seine Prognose die Entwicklung in 23 Ländern der Region. Für Polen erwarten die Experten für das laufende Jahr ein Wachstum von 3,7 Prozent, für Rumänien hingegen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Insgesamt dürften die östlichen EU-Mitglieder mit 2,2 Prozent jedoch mehr als doppelt so stark wachsen wie die Eurozone. Für diese sagt das wiiw ein Wachstum von 0,9 Prozent voraus.
Die Experten des wiiw sehen bei den östlichen EU-Staaten einen fundamentalen Wandel ihres Wirtschaftsmodells. Demnach entwickelten sie sich von ihrer Rolle als verlängerte Werkbank für westliche Konzerne weg. Die Wirtschaft werde zunehmend von höherwertigen Produkten und Dienstleistungen, starkem Privatkonsum und öffentlichen Investitionen getragen.
«Länder, die in Technologie und Produktivität investieren, haben gute Chancen, weiter wirtschaftlich zu prosperieren», sagte der stellvertretende wiiw-Direktor Richard Grieveson. «Polen und teilweise auch Tschechien machen es vor.» Das schwache Wachstum in der Ukraine führen die Experten auf die russischen Luftangriffe auf die Infrastruktur zurück. Die russische Wirtschaft leide ihrerseits unter den wirtschaftlichen Folgen des Krieges sowie dem hohen Zinsniveau.
Von der deutschen Wirtschaft dürfte die Region demnach weniger profitieren als in der Vergangenheit. Das Wachstum in Deutschland werde zunehmend von Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur getragen und nicht mehr von der traditionell dominanten Automobil- und Maschinenbauindustrie. In diesen Branchen seien die osteuropäischen Volkswirtschaften jedoch deutlich stärker integriert.
Einen Wachstumsimpuls lieferten hingegen Investitionen in die osteuropäische Verteidigungsindustrie und der Zufluss von EU-Mitteln, sagte Grieveson. Zudem könnte der härtere Kurs der EU im Handelsstreit mit China der Automobilbranche in der Region eine Atempause verschaffen. Diese sei eng mit der deutschen Industrie verflochten und stehe unter starkem Wettbewerb aus China.
(Reuters)

