Pandemie-Bekämpfung - EU will bei Corona-Impfungen nach Anfangsschwierigkeiten Gas geben

Die Europäische Union holt bei der Versorgung mit Impfstoff endlich auf. Doch jetzt ist die neue Herausforderung, schnell genügend Wirkstoff auch zu injizieren.
24.02.2021 16:30
Symbolbilder für Corona-Impfstoffe von Moderna, BioNTech und AstraZeneca.
Symbolbilder für Corona-Impfstoffe von Moderna, BioNTech und AstraZeneca.
Bild: imago images / Christian Ohde

Nach Anfangsschwierigkeiten gibt die EU  bei der Beschaffung von Covid-19-Impfstoffen nun Gas und ist auf gutem Weg, die Bevölkerung dank neuer Verträge und höherer Produktion schneller als erwartet impfen zu können. Bis Ende August könnte die EU 75 Prozent ihrer erwachsenen Bevölkerung impfen, etwa zwei Monate früher als zuvor prognostiziert, so das Forschungsunternehmen Airfinity.

Die Frage ist nun, ob die Mitgliedstaaten in der Lage sein werden, die tatsächlichen Impfungen auch durchzuführen und Bedenken, wie sie vor allem gegenüber der Wirkstoffe von AstraZeneca und dem von der Universität von Oxford bestehen, auszuräumen.

Schlüssel für Konjunktur

Impfstoffe werden als Schlüssel gesehen, die Konjunktur wieder anzukurbeln und Neuinfektionen einzudämmung, vor allem angesichts neuer, ansteckenderer Virusvarianten. Vorerst ist die Bilanz der EU schlecht. Grossbritannien, wo das Virus in Europa die höchste Zahl an Todesopfern gefordert hat, hat bisher bereits mehr als 27 Dosen pro 100 Einwohnern verabreicht, so der Bloomberg Tracker. In der EU liegt der Wert gerade einmal bei sechs. Die USA liegen bei knapp 20 Dosen pro 100 Einwohner.

Die EU hat sich in letzter Zeit von Pfizer und Moderna hunderte Millionen zusätzlicher Impfdosen gesichert, was die Angebotssituation deutlich verbessert. Damit verschiebt sich der Druck. In Deutschland könnten beispielsweise Impfzentren bald überfordert sein, solange die Behörden Ärzten nicht erlauben, Impfungen in ihren Praxen durchzuführen, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Inzwischen gibt es Warnungen, dass die Impfung von drei Vierteln der erwachsenen Bevölkerung nicht ausreichen könnte, um die Pandemie zu stoppen. Das liegt daran, dass veränderte Viren den bestehenden Impfstoffen mehr entgegensetzen könnten. Die Hersteller halten dagegen, die Wirkstoffe könnten bei Bedarf schnell angepasst werden.

Weitere Dosen gekauft

Die EU hatte in den letzten Wochen eine Reihe von Schritten unternommen, um die Strategie gegen das Virus zu stärken, etwa einen Vertrag mit Pfizer und BioNTech über 200 Millionen weitere Dosen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte Anfang dieses Monats mitgeteilt, sie erwarte im zweites Quartal die Auslieferung von 300 Millionen Impfstoffdosen, nach geschätzten 18 Millionen im Januar, 33 Millionen im Februar und 55 Millionen im März.

Doch neben höherer Impfstoffproduktion wird es für die EU von entscheidender Bedeutung sein, mehr Bürger auch tatsächlich zu impfen. Dazu wird es eine massive Mobilisierung nötig sein.

(Bloomberg)