Pandemie - Deutsche Banken stellen Bewerber ohne Treffen ein

Die Coronakrise stellt die Bewerbungsverfahren bei einigen deutschen Banken auf den Kopf.
02.08.2020 04:35
Seit März finden Rekrutierungen nur digital statt.
Seit März finden Rekrutierungen nur digital statt.
Bild: Unsplash

Angesichts von Reise- und Kontaktbeschränkungen haben Kandidaten zuletzt Anstellungsverträge erhalten, ohne ein einziges persönliches Treffen absolvieren zu müssen. Die Auswahl lief völlig digital, was bis vor wenigen Monaten vielerorts undenkbar war. Auch in Zukunft wollen manche Banken bei Anstellungen stärker auf Internet und Videogespräche setzen.

Zu den Finanzdienstleistern, bei denen die Verfahren in der Krise umgestellt wurden, zählen BayernLB, DZ Bank und DekaBank. Oftmals ging es nach Angaben der Institute um Einstiegsposten. Der Frankfurter Personalberater Banking Consult berichtete aber auch von einem Vorstand, der seinen Job bei einer Bank in einem völlig digitalen Verfahren bekomme habe.

In der BayernLB wurde “bei Nachwuchskräften in den vergangenen Monaten komplett auf persönliche Bewerbungsgespräche verzichtet und die Interviews ausschliesslich über Video-Telefonate abgehalten”, bestätigte Personalchefin Susanne Kober in einem Interview mit Bloomberg. “Einstellungen erfolgten, ohne Kandidaten persönlich getroffen haben.”

Übungen entfallen

Bei der DZ Bank liefen zwar noch bis in den März hinein zwei Assessment Center als Präsenz-Durchgänge ab. Mit dem Corona-Lockdown fanden Trainee-Rekrutierungen dann aber nur noch digital statt. Dabei absolvierten die Kandidaten vier von fünf Bestandteilen des Assessment Centers – Vorabendbegrüssung, Online-Test, Fallstudie, Interview – von zu Hause aus. Die Gruppenübung entfiel, berichtete Sprecher Uwe Wulf. Etliche Kandidaten erhielten auf diesem Weg einen Arbeitsvertrag.

Auch bei der DekaBank wurden Bewerbungsgespräche zu Beginn der Pandemie fast ausschliesslich digital geführt. Mit den ersten Lockerungen gab es zuletzt teils wieder Präsenztermine. Jedoch überwiegen die digitalen Gespräche nach Angaben von Sprecherin Simone Wenzel noch immer.

Etwas zurückhaltender äusserte sich die LBBW. Bei der Endauswahl von Kandidaten setze sie “nach wie vor auf Gespräche und Assessment Center mit persönlicher Präsenz unter strenger Einhaltung von Hygienestandards und Abstandsregeln”, teilte sie mit.

Wegen der Coronakrise hatten zahlreiche deutsche Banken ab März viele Mitarbeiter ins Home Office geschickt, darunter neben den grossen Regionalbanken auch Deutsche Bank und Commerzbank. Nun laufen Überlegungen dazu, wann und in welchem Umfang die Kollegen ins Büro zurückgeholt werden sollen.

Trotz der sich abzeichnenden Normalisierung dürften viele Institute auch künftig bei der Rekrutierung auf digitale Prozesse setzen, vor allem bei jungen Mitarbeitern. “Wir werden die Erfahrungen jetzt auswerten und schauen, ob wir das dauerhaft so machen wollen”, sagte Kober.

Auswahl kostengünstiger

Laut Thore Behrens, Partner bei Banking Consult, hat die Coronakrise sehr stark dazu beigetragen, rein digitale Bewerbungsprozesse durchzusetzen. “Zum Beispiel konnten wir im Juni einen Bankvorstand platzieren, welcher ausschliesslich auf digitalem Wege gescreened wurde”, sagte er. Nur die Unterschrift des Vertrags sei persönlich erfolgt.

Die DZ Bank hat bei digitalen Bewerbungsprozessen für beide Seiten gleichermassen Vorteile ausgemacht. Für die Arbeitgeber würden die Kosten sinken, während Kandidaten mit schnelleren Entscheidungen rechnen könnten. Letzteres sei ein klarer Bewerbungsvorteil.

“Wir werden sicherlich auch in Zukunft einen Teil digital gestalten, aber nicht komplett digital weitermachen”, sagte Wulf. “Bewerber vorher gar nicht zu sehen, das war der Sondersituation geschuldet.”

(Bloomberg)

 
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