Pandemie-Rückschlag - Stahlkocher Schmolz sucht neues Kapital

Schmolz + Bickenbach bemüht sich zum zweiten Mal in diesem Jahr um eine Liquiditätsspritze. Der Umsatzrückgang hat die Kapitalerhöhung verschlungen, die sich das Unternehmen vor lediglich sechs Monaten gesichert hatte.
10.07.2020 18:45
Stahlproduktion von Schmolz+Bickenbach.
Stahlproduktion von Schmolz+Bickenbach.
Bild: youtube

Der Schweizer Stahlhersteller habe Sanierungsspezialisten von PJT angeheuert, die über den Prozess zum Aufbringen zusätzlicher Mittel beraten sollen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Sie wollten aufgrund der vertraulichen Natur der Sache anonym bleiben.

Vertreter von Schmolz und PJT lehnten eine Stellungnahme ab.

Das hoch verschuldete Unternehmen hat dieses Jahres eine Insolvenz abgewendet - dank einer Geldspritze von 400 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung und ein Darlehen von einem Vehikel, das von seinem Grossaktionär Martin Haefner kontrolliert wird. Zuvor hatte sich ein Streit um Schmolz zwischen dem Schweizer Investor und der Liwet Holding des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg immer weiter zugespitzt, nachdem die schwächere Nachfrage der Autohersteller den Umsatz des letzten Jahres belastet hatte.

Staatliche Beihilfe wird in Betracht gezogen

Die beiden Parteien vereinbarten im Februar eine neue Eigentümerstruktur, bei der Haefner Liwet als Hauptaktionär von Schmolz ablöste. Das Unternehmen zahlte im März auch die meisten seiner Anleihen im Wert von 350 Millionen Euro vor der Fälligkeit im Jahr 2022 zurück, womit die Gesamtverschuldung um ein Viertel auf 609 Millionen Euro zurückging. Die Pandemie durchkreuzte jedoch die Hoffnung auf eine finanzielle Erholung von Schmolz und führte zu einem Umsatzrutsch von 20 Prozent im ersten Quartal.

Finanzvorstand Matthias J. Wellhausen hatte im Mai den Investoren gesagt, das Unternehmen könnte staatliche Beihilfe in Betracht ziehen, einschliesslich staatlich finanzierter Kredite, um seine Liquidität zu stärken.

(Bloomberg)