Gleiches gilt für die Zahl der Angestellten: Lonza steckt viel Geld in das Wachstum der Zukunft. Von Januar bis Juni steigerte Lonza den Umsatz um 17,3 Prozent auf 2,98 Milliarden Franken, wie das Unternehmen am Freitag in einem Communiqué erklärte. Alle Divisionen trugen zum Umsatzwachstum bei.

Ein Teil des Wachstums stammte von Preiserhöhungen. "Wir reichen die Inflation der Rohstoffkosten - wie in unserer Industrie üblich - an die Kunden weiter", sagte Finanzchef Philippe Deecke vor Journalisten.

Als die aktuell grösste Herausforderung bezeichnete Lonza-Chef Pierre-Alain Ruffieux die Engpässe in der Lieferkette. "Es ist derzeit schwierig, gewisse Produkte zu erhalten", sagte er.

Steigende Gewinnzahlen

Seit der Trennung von der Chemiesparte vor einem Jahr konzentriert sich Lonza auf seine Rolle als Produktionspartner der Pharma- und Biotechindustrie. Unter anderem am Stammwerk in Visp werden im Auftrag von Pharmakonzernen Wirkstoffe für Medikamente hergestellt - oder eben für die Impfung der US-Firma Moderna.

Der operative Gewinn auf Stufe Kern-EBITDA stieg in der Berichtsperiode um 16,5 Prozent auf 987 Millionen Franken. Die entsprechende Marge erreichte 33,1 Prozent. Das sind unter anderem wegen hoher Vorabinvestitionen 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Aber zum Vergleich: Inklusive Chemiesparte war Lonza vor einem Jahr mit 29,0 Prozent noch deutlich weniger profitabel.

Unter dem Strich wurde der Reingewinn mit 498 Millionen Franken gar fast verdoppelt wurde. Denn im Vorjahr hatte Lonza für eine Umweltsanierung 284 Millionen zurückgestellt.

Investitionen und Jobs

Lonza steckt weiterhin viel Geld in seine Zukunft als Auftragsfertiger. Alleine im ersten Halbjahr wurden 841 Millionen Franken investiert - mehr als ein Viertel des Umsatzes. Diese Ausgaben kann sich Lonza gut leisten, hat doch der Verkauf des Chemiegeschäfts 4,2 Milliarden in die Kassen gespült.

Bereits angekündigt hat der Konzern etwa den Bau einer Grossanlage zur Abfüllung von Medikamenten im aargauischen Stein für eine halbe Milliarde.

Das Unternehmen ist damit auch eine Jobmaschine: Lonza beschäftigt aktuell rund 17'000 Mitarbeitende, rund 1000 mehr als noch per Ende 2021. 500 der neuen Jobs wurden alleine am Stammwerk Visp im Kanton Wallis geschaffen. Mittlerweile arbeite somit jeder dritte Lonza-Angestellte in der Schweiz, sagte Ruffieux.

Guidance bestätigt

Mit der Trennung vom Chemiegeschäft will Lonza deutlich schneller wachsen und die Firma soll noch mehr Gewinn abwerfen als bisher. Für das Geschäftsjahr 2022 etwa stellt Lonza ein organisches Wachstum im tiefen bis mittleren Zehnerbereich in Aussicht.

Gleichzeitig soll die Marge einen Schritt in Richtung der für 2024 ausgerufenen Spannbreite von 33 bis 35 Prozent machen.

Dass die Prognose zum Halbjahr "nur" bestätigt wurde, löst an der Börse jedoch Verkäufe aus: Gegen Mittag stehen die Lonza-Papiere 2,4 Prozent tiefer. Als "Profiteur" der Covid-19-Krise hatten die Aktien in 2021 mit plus 34 Prozent eine sehr gute Jahresperformance abgeliefert.

(AWP)