Pharma - Üppige Cash-Bestände: Rollt eine Übernahmewelle auf die Pharmabranche zu?

Die 50 grössten Pharmakonzerne der Welt schwimmen in Milliarden. Davon geht aus Anlegersicht Fantasie aus. Die Investmentbank Bryan Garnier nennt mögliche Übernahmeziele.
24.05.2022 11:16
Von Lorenz Burkhalter
Tabletten, Kapseln und Pillen der Pharmaindustrie.
Tabletten, Kapseln und Pillen der Pharmaindustrie.
Bild: imago images / avanti

Gut zwei Wochen ist es nun her, dass der Branchenprimus Pfizer den Aktionären seines Rivalen Biohaven ein fast 12 Milliarden Dollar schweres Kaufangebot unterbreitet hat. Es ist dies bereits die fünfte Milliardenübernahme eines Pharmaunternehmens in diesem Jahr, wie die Investmentbank Bryan, Garnier & Co. schreibt.

Sind die Bewertungen attraktiv genug?

Nach Einschätzung der in Paris domizilierten Bank dürften weitere Grossübernahmen folgen. Denn wie Erhebungen der Beratungsfirma CapitalIQ zeigen, verfügen die 50 grössten Pharmahersteller der Welt gemeinsam über eine Feuerkraft in Höhe von 236 Milliarden Dollar. Das ist soviel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Für diesen Betrag liessen sich Übernahmen stemmen.

Dass eine gewaltige Übernahmewelle auf die Pharmahersteller zurollt, glaubt man bei Bryan Garnier dennoch nicht. Die Bewertungen seien aus Anlegersicht momentan zwar attraktiv, um im grossen Stil Firmenkäufe zu tätigen allerdings nicht attraktiv genug. Denn meist lassen sich die Aktionäre eines Pharmaunternehmens nur mit einem satten "Zustupf" zum aktuellen Aktienkurs zum Verkauf ihrer Titel bewegen. Und dann wird die Sache bereits wieder kostspielig.

Kommt hinzu, dass die riesigen Cash-Bestände einiger grosser Pharmahersteller auf üppige Erträge im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie fussen. So etwa bei Pfizer, wie die Investmentbank festhält. Beim Branchenprimus trug der Impfstoff Comirnaty auch im zurückliegenden ersten Quartal wieder mehr als 50 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Bryan Garnier sieht diese Umsätze künftig wieder wegbrechen.

Bryan Garnier nennt mögliche Übernahmeziele

Und dann wären da noch die Unternehmensbilanzen. Die Investmentbank rechnet vor, dass die Nettoschulden der 50 grössten Pharmahersteller der Welt trotz hohen Cash-Beständen um 57 Prozent über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre liegen. Das sei ein Resultat jahrelanger Investitionen in die Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe sowie grosszügiger Aktienrückkäufe.

Bei Bryan Garnier setzt man deshalb neben den Aktien von Medios vor allem auf solche grösserer Pharmahersteller wie UCB oder Roche. Mögliche Übernahmeziele sieht die Investmentbank in Vicore, Abivax, Heidelberg Pharma, Galapagos, Medincell oder auch Camurus.

Etwas Übernahmefantasie würde auch den kleineren Pharmaunternehmen aus der Schweiz gut tun. Mit einem Minus von 60 Prozent seit Jahresbeginn steht die Aktie von Molecular Partners weit oben auf der diesjährigen Liste der Börsenverlierer. Auch zuvor gefeierte Pharmazulieferer wie Bachem oder PolyPeptide mussten Federn lassen.