Pharmabranche - Roche bekommt Coronakrise im Halbjahr zu spüren und verfehlt die Analystenschätzungen

Beim Pharmakonzern Roche hat die Coronakrise im ersten Halbjahr deutlich Spuren hinterlassen. Umsatz und Gewinn sind gesunken. Den Ausblick für 2020 hat der Pharmakonzern bestätigt.
23.07.2020 08:09
Roche-CEO Severin Schwan.
Roche-CEO Severin Schwan.
Bild: ZVG

Für die zuletzt recht erfolgsverwöhnten Investoren dürfte der Halbjahresbericht von Roche einer kalten Dusche gleichkommen. Wie der Konzern am Donnerstag mitteilte, hat die Covid-19-Pandemie deutliche Spuren bei Umsatz und Gewinn hinterlassen. Den Ausblick für 2020 bestätigt der Konzern.

So ist der Gruppenumsatz in den ersten sechs Monaten um 4 Prozent auf 29,3 Milliarden Franken gefallen. Zu konstanten Wechselkursen ergab sich eine Zunahme um 1 Prozent.

Ähnlich wie beim Konkurrenten Novartis vor zwei Tagen wurden die Hamsterkäufe des ersten Quartal im zweiten Jahresviertel nahezu komplett umgekehrt. Roche selbst schreibt in der Mitteilung vom Donnerstag, dass die Umsätze seit Juni wieder steigen.

Besonders stark hat die COVID-19-Pandemie die Umsätze der Pharmasparte beeinflusst, wie der Rückgang um 4 Prozent auf 23,2 Milliarden Franken zeigt (+1 Prozent kWk). In der Hochphase der Coronakrise gingen Patienten seltener zum Arzt und auch die Krankenhäuser reservierten ihre Betten vor allem für Corona-Patienten und Notfälle. Dies habe sich vor allem auf die Umsätze mit Medikamenten wie Ocrevus zur Behandlung von Multipler Sklerose, Hemlibra für Bluter oder auch das Augenmittel Lucentis ausgewirkt.

Entgegengesetzte Kräfte in der Diagnostik

Etwas anders sieht dagegen die Situation in der Diagnostics-Sparte aus, auch wenn auch hier die Umsätze mit 6,1 Milliarden Franken um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert lagen (+3 Prozent kWk). Den grössten Beitrag habe hier der Geschäftsbereich Molecular Diagnostics geleistet, der um 61 Prozent zunahm.

Roche hatte im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus quasi im Schnellverfahren die Cobas SARS-CoV-2 PCR Tests entwickelt. Sie konnten COVID-19-bedingte Umsatzrückgänge in der Routinediagnostik teilweise ausgleichen. Die Routinediagnostik sackte vor allem im zweiten Quartal deutlich ab, da viele Patienten regelmässige Gesundheitschecks verschoben hatten.

Abgesehen von den Umsatzeinbussen sei es sonst aber zu keinen nennenswerten Unterbrechungen in den Lieferketten gekommen, wie Roche weiter mitteilte. Und auch bei den geplanten Einführungen von Medikamenten oder den Einreichungen von Zulassungsanträgen und den Starts von Zulassungsstudien liege man weiterhin im Plan.

Unter dem Strich blieb Roche nach den ersten sechs Monaten ein Konzerngewinn nach IFRS von 8,5 Milliarden übrig. Das liegt um 5 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2019. Den operativen Kerngewinn, an dem Roche seine Prognosen orientiert, beziffert der Konzern auf 11,8 Milliarden (-6 Prozent/+2 Prozent).

Mit den vorgelegten Zahlen hat Roche die durchschnittlichen Analystenschätzungen (AWP-Konsens) verfehlt. Speziell der Konzernumsatz kam noch unter den tiefsten Erwartungen raus.

Ziele bestätigt

Den Ausblick für das Gesamtjahr hat Roche bestätigt. Die Prognose gelte "basierend auf der derzeitigen Einschätzung der Auswirkungen von COVID-19".

Roche erwartet demnach unverändert ein Verkaufswachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich zu konstanten Wechselkursen. Für den Kerngewinn je Titel wird ein Wachstum zu konstanten Wechselkursen angestrebt, das weitgehend dem Verkaufswachstum entspricht.

Und Roche sei weiterhin bestrebt, die Dividende in Schweizer Franken zu erhöhen, heisst es weiter.

(AWP)