Zum ersten Mal seit mindestens fünf Jahren beurteilt Lombard Odier Investment Management US-Staatsanleihen wieder als «Übergewichten». Die Investmentgesellschaft sieht die gestiegenen Renditen im Vergleich zu Aktien als zunehmend attraktiv an.

Florian Ielpo, Head of Macro Research beim 367 Milliarden Franken schweren Vermögensverwalter, erklärte, dass die Multi-Asset-Mandate von Lombard Odier – darunter der LPP30-Fonds – Anfang dieses Monats Cash-Bestände in zehnjährige US-Treasury-Futures umgeschichtet haben. Die Firma hält nun eine Übergewichtung von 2 Prozent. Das entspricht etwa der Hälfte ihrer Übergewichtung bei Aktien.

Der Wechsel wirkt auf den ersten Blick konträr. Schliesslich sorgen sich viele Anleger wegen der steigenden Staatsverschuldung, der hartnäckigen Inflation und möglicher weiterer Zinsschritte. Diese Sorgen lösten diese Woche einen globalen Ausverkauf bei Anleihen aus. Dadurch kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über 5 Prozent und damit nahe an ein Drei-Jahrzehnte-Hoch. Die Rendite 30-jähriger Papiere erreichte mit 5,44 Prozent den höchsten Stand seit 2004.

Ielpo weist jedoch darauf hin, dass die Renditen von US-Staatsanleihen mittlerweile etwa auf dem Niveau der Gewinnrendite von US-Aktien liegen. Das macht Staatsanleihen im relativen Vergleich attraktiv. Für Anleger aus der Schweiz bietet die Position einen weiteren Vorteil: einen erheblichen Zinsertrag. Dieser entsteht durch den grossen Abstand zwischen den tiefen Schweizer Zinsen und den höher verzinsten US-Anleihen.

«Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Anleihen billig und Aktien vergleichsweise teuer sind», sagte Ielpo gegenüber Bloomberg News. «Normalerweise führt das zu einer Rückkehr zum Mittelwert.»

Anleihen dürften profitieren, sobald sich die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten legen. Ausserdem sollte sich der KI-bedingte Kreditboom der Big-Tech-Konzerne stabilisieren, so Ielpo. Er bezeichnet die Position als Wette auf «die Stabilisierung des langen Endes bei gleichzeitig sehr hohem Zinsgewinn».

Auch nach dem jüngsten Ausverkauf bleibt Ielpo bei seiner Einschätzung. Den Rücksetzer führt er auf die robuste US-Wirtschaft zurück – nicht auf die Aussicht auf höhere Zinsen.

Am Geldmarkt preisen Händler für das kommende Jahr mehr als drei Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed ein. Im Gegensatz dazu rechnet Ielpo nach der Viertelprozent-Erhöhung im letzten Monat nur noch mit einem einzigen weiteren Schritt.

In den letzten Jahren mied Lombard Odier US-Staatsanleihen. Der Grund war die hohe Volatilität am Anleihenmarkt nach der Corona-Pandemie. Als sich die Schwankungen allmählich legten, begann die Firma wieder mit dem Aufbau von Positionen, erklärte Ielpo.

Der jüngste Ausverkauf liess die Volatilität zwar spürbar steigen. Die Werte liegen aber weit unter den Höchstständen des Inflationsschocks nach der Pandemie. Die durchschnittliche 90-Tage-Volatilität zehnjähriger Anleihen bewegt sich derzeit nahe an einem Zehn-Jahres-Tief, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Ielpo hält es für möglich, dass die hohen Zinsen die US-Wirtschaft bremsen. Ein anschliessender Rückgang der Renditen würde Anleihenhaltern jedoch zugutekommen.

Trotzdem zeigt er sich skeptisch, dass die Renditen rasch wieder auf das Niveau von vor der Pandemie fallen. Die USA müssten ihre Zinsen attraktiv halten, um weiterhin ausländisches Kapital für ihre Staatsverschuldung anzuziehen.

«Wer erwartet, dass die Zinsen morgen früh wieder auf 3 Prozent fallen, dürfte schwer enttäuscht werden», sagte er.

(cash/Bloomberg)

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