Der russische Präsident Wladimir Putin sieht nach eigenen Worten aktuell eine Chance für ein Friedensabkommen im Ukraine-Krieg. Mehrere Länder wie die USA und China seien bereit, eine Friedenslösung zu unterstützen, sagte Putin am Donnerstag auf einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok im Fernen Osten Russlands. «Letztlich muss das Problem aber von den Konfliktparteien selbst gelöst werden – Russland und der Ukraine», erklärte er. «Wir sind jedem dankbar, der versucht, zu einer Beilegung beizutragen. Gibt es eine Chance? Meiner Ansicht nach ja, die gibt es.»
Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha äusserte sich in Kiew ebenfalls vorsichtig optimistisch. «Ich glaube, dass wir nun eine neue Dynamik in den Friedensbemühungen erleben werden, mit der Rückkehr zu einer aktiven Phase des politischen und diplomatischen Engagements in vielen Hauptstädten auf der ganzen Welt», sagte Sybiha vor Journalisten. Einzelheiten nannte er zunächst nicht.
Der indische Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar bot bei einem Besuch in Kiew die Vermittlung seines Landes an. «Wenn Indien in irgendeiner Weise helfen kann, sind wir bereit», erklärte er. Der indische Ministerpräsident Narendra Modi hatte Putin am Montag gesagt, der Krieg müsse beendet werden.
«Vor allem über die Geheimdienste»
Trotz der ungewöhnlichen Signale aus Moskau und Kiew warfen sich beide Seiten weiter feindseliges Verhalten vor. Putin erklärte, die Kontakte zu Kiew liefen zwar weiter, allerdings «vor allem über die Geheimdienste». Jüngste ukrainische Angriffe auf Handelsschiffe und Drohungen gegen die zivile Luftfahrt bezeichnete er als «Akte des Staatsterrorismus». Dies erschwere die Aussichten auf bilaterale Friedensgespräche.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Fluggesellschaften und Versicherer gewarnt, dass ukrainische Drohnen den russischen Luftraum unsicher machten. Er betonte jedoch, Kiew nehme nur militärische Ziele ins Visier. Zudem drang die Ukraine bei der UN-Luftfahrtbehörde auf ein Verbot von Flügen im russischen Luftraum.
Die Äusserungen Putins sorgten an den Rohstoffmärkten für Entlastung. Der Weizenpreis in Chicago gab um mehr als zwei Prozent nach. Zuletzt hatten sich die Angriffe auf Häfen und Handelsschiffe verschärft, was die weltweiten Getreidepreise in die Höhe trieb. Die USA waren zudem durch den Iran-Krieg abgelenkt, während Russland und die Ukraine ihre Luftangriffe tief im gegnerischen Territorium intensivierten. Die letzten von den USA vermittelten Friedensgespräche fanden im Februar statt. Russland hatte die Ukraine im Februar 2022 völkerrechtswidrig angegriffen.
(Reuters)

