Die UBS dürfte beim Ergebnis im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr punkten. Gemäss AWP-Konsens sollte ein Geschäftsertrag von 13,178 Milliarden Franken bei einem Gewinn vor Steuern von 3,583 Milliarden Franken erzielt werden. Das Konzernergebnis wird bei 2,76 Milliarden Franken erwartet.

Insgesamt ist die Messlatte bei der UBS höher geworden. Einerseits soll der gesamte Prozess bis Ende 2026 mit der endgültigen Abschaltung der alten Credit-Suisse-Systeme abgeschlossen werden. Andererseits sind die sogenannten «einfachen» Gewinne aus der Übernahme der Credit Suisse in trockenen Tüchern und die Kostenbasis unter Kontrolle. Ferner konnte die UBS in den letzten drei Quartalen die Erwartungen übertreffen, was entsprechend Erwartungen schürt. 

Einige wesentliche Einblicke lieferte vor Monatsfrist der auf Finanzwerte spezialisierte und als konservativ einstufende Broker Keefe, Bruyette & Woods (KBW) nach einem Gespräch mit dem UBS-Finanzchef Todd Tuckner. Eine Konklusion ist, dass sich die Marktdynamik nach der starken Performance und dem von Risikobereitschaft geprägten Marktumfeld in der ersten Jahreshälfte 2026 wohl abschwächte.

Kunden nähmen möglicherweise eine defensivere, neutralere oder stärker abgesicherte Position ein oder hielten sich in manchen Fällen sogar ganz vom Markt fern, so der KBW-Analyst Thomas Hallett. Dies sei unter anderem auf die jüngsten Entwicklungen am Anleihemarkt zurückzuführen. Die Trends bei der Fremdkapitalaufnahme für gehebelte Transaktionen an den Aktienmärkten hätten sich zudem ungünstiger entwickelt.

Bei den Neugeldern scheine es indessen kaum Anzeichen für nennenswerte Herausforderungen zu geben. Positiv sei, dass UBS - entgegen den Befürchtungen, eine Verlangsamung bei Börsengängen könnte sich negativ auf den Zufluss von Kundengeldern auswirken - offenbar nicht besonders anfällig dafür ist. Die Bank halte zudem an ihrer Prognose fest, bis 2028 einen Netto-Neugeldzufluss von 200 Milliarden Dollar zu erreichen. Auch wenn die Sorgen hinsichtlich der regulatorischen Vorgaben in China begrenzt erscheinen, könnte aber die Durchsetzung steuerlicher Bestimmungen indirekt die Mittelzuflüsse in der zweiten Jahreshälfte 2026 beeinträchtigen, mahnt Hallett von KBW.

Kerngeschäft im Fokus

Die Schweizer Grossbank dürfte das Vorjahresergebnis erneut übertreffen und Ertrag sowie Gewinn gesteigert haben. Beim Kerngeschäft - der Vermögensverwaltung - rechnen Analysten gemäss AWP-Konsens mit einer höheren Kundenaktivität und höheren Gebühreneinnahmen angesichts des Anstiegs der verwalteten Vermögen.

Auch für das Investment Banking zeigen sich die Marktbeobachter zuversichtlich und rechnen mit soliden Ergebnissen, wenn auch nicht ganz so stark wie in den beiden Vorquartalen. Einige grosse US-Banken, die bereits Zahlen vorgelegt haben, profitierten im dritten Quartal insbesondere von einem boomenden Aktienhandel, in dem die UBS auch stark vertreten ist. 

Ein Blick auf die britische Investmentbank Barclays mag mit Blick auf die UBS ebenfalls aufschlussreich sein. Das Investmentbanking scheint dabei das Zünglein an der Waage zu sein. Mit 1,65 Milliarden britischen Pfund lag der Gewinn zwar 13 Prozent über Vorjahr, wie das Unternehmen am vergangenen Donnerstag mitteilte. Analysten hatten sich jedoch noch höhere Erträge und vor Steuern auch mehr Gewinn ausgerechnet.

Auch die besonders beäugte Investmentbank der Londoner Investmentbank verfehlte mit ihren Erträgen die Erwartungen von Experten. Dies wurde bei den Barclays-Titeln indessen schon vor der Publikation eingepreist. Die Valoren verloren innerhalb der letzten zwölf Wochen 27 Prozent an Wert, ehe es nach der Zahlenpublikation zu einer leichten Erholung kam. Zum Vergleich: Die UBS-Aktien verloren seit Erreichen des Jahreshochs vor 6 Wochen 11 Prozent an Wert. Sollte die Schweizer Grossbank die Erwartungen nicht erfüllen, besteht beim Titel weiteres Abwärtspotenzial. 

Wo steht die Kapitaldiskussion?

Investoren und Analysten erhoffen sich auch dieses Mal wieder Aussagen darüber, wie die UBS die zu erwartenden regulatorischen Auswirkungen abfedern könnte. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats (WAK-N) berät diese Woche das Bankengesetz. Das dürfte eine grössere Sache werden: Angehört werden UBS-Chef Sergio Ermotti, Bundesrätin Karin Keller-Sutter, SNB-Präsident Martin Schlegel und Finma-VRP Marlene Amstad. Die Kommission wird dem Nationalrat voraussichtlich erst nach ihrer nächsten Sitzung am 23. und 24. November einen Antrag unterbreiten. Ab Ende November beginnt dann die Wintersession des Parlaments.

Zuvor hatte der Ständerat vor gut einem Monat strengere Eigenmittel-Regeln für systemrelevante Grossbanken beschlossen: Die UBS müsste Auslandstöchter künftig mit 90 Prozent hartem Kernkapital (CET1) unterlegen. Dieser Entscheid war etwas überraschend, da die Ständeratskommission (WAK-S) eine Unterlegung der UBS-Auslandstöchter zu 50 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) und zu 50 Prozent mit AT1-Anleihen vorgeschlagen hatte.

Der Bundesrat hatte im Nachgang des CS-Debakels eine vollständige CET1-Unterlegung vorgeschlagen (100 Prozent). Aktuell gilt: 45 Prozent CET1 plus 17 Prozent AT1. Da der Nationalrat als weniger bankenfreundlich als der Ständerat gilt, wird am Markt kaum mit einer Abmilderung der aktuellen Ständeratsvorlage mit 90 Prozent Unterlegung gerechnet.

Die UBS hat den Bundesratsvorschlag wiederholt als «extrem» kritisiert. Seit dem Ständeratsentscheid haben sich auch die Wegzuggerüchte oder Übernahmetheorien aus dem Ausland gehäuft: So schrieb etwa das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider über «Notfallpläne» zur Sitzverlagerung der Schweizer Bank, sollte es zu deutlich schärferen Eigenmittelvorgaben kommen. Die UBS habe zudem bereits Anfragen potenzieller US-Geschäftspartner zu möglichen Transaktionen erhalten.

Was bedeutet das für die Kapitalrückführung?

Das UBS-Management hat in Aussicht gestellt, mit der Publikation der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober auch ein Update zum Zeitplan der weiteren Aktienrückkäufe zu geben. Derzeit setzt die Bank ihre Aktienrückkäufe zwar fort, allerdings unter Vorbehalt beim Tempo. Die Bank hatte Ende Juli ein neues Programm über 3 Milliarden US-Dollar bis Mitte 2027 angekündigt.

Im Rahmen dessen wollte die UBS in drei Monaten Aktien im Wert von mindestens 1 Milliarde zurückkaufen, wie es damals hiess. Dieses Ziel hat sie bereits übertroffen: Bis zum 23. Oktober 2026 kaufte die UBS Aktien im Wert von rund 1,45 Milliarden Dollar zurück.

Wie schnell die restlichen Aktienrückkäufe hinzukommen, hängt derweil vom Marktumfeld, den weiteren Finanzergebnissen, der Aufrechterhaltung einer Kapitalquote von rund 14 Prozent sowie den weiteren Entwicklungen in der Schweizer Kapitaldebatte ab.

(mit Material der Nachrichtenagentur AWP)

Thomas Daniel Marti
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